Dienstag, 26. April 2011

Gestufte Feierlichkeit

Da ich immer wieder feststelle, dass die liturgische Bildung bei den Gläubigen erschreckend niedrig ist und so viel Unverstand und manchmal auch Unmut zustande kommen, habe ich mir vorgenommen, hier ein wenig über den reichen Schatz unserer wirklich schönen Liturgie und einiger liturgischer Bräuche zu schreiben.Ich will dabei weitestgehend eigene Wort benutzen und nur selten aus Lexika oder Fachbüchern zitieren, nutzen werde ich sie auf jeden Fall, so kann ich auch gleich mein eigenes Wissen prüfen und erweitern ;) Wahrscheinlich wissen die meisten von euch eh bescheid, aber so könnt ihr es vielleicht auch Leuten aus euren Gemeinden oder im Freundeskreis erklären oder zeigen, die nicht so viel Ahnung haben.
Anfangen möchte ich mit der "gestuften Feierlichkeit". Zugegeben, es gäbe sicherlich brennendere Themen, aber ich möchte langsam anfangen...

Gestufte Feierlichkeit
Was ersteinmal kompliziert klingt, ist eigentlich total einleuchtend und liegt, will ich hier mal behaupten, im Sensus jedes vernünftigen Menschen. Ich denke, niemand kleidet sich zu Hause zum Entspannen in feinsten Maßanzügen oder (für die Frauen) im langen Abendkleid. Ebenso trägt man auf einem Ball oder einem festlichen Empfang keinen zerschlissenen Jogginganzug oder Blaumann. Auch deckt man den Tisch anders, wenn man morgens vor der Arbeit ein einfaches Frühstück isst (da werden mir meine Eltern Recht geben^^), oder wenn man zu einer großen Feier viele Gäste erwartet.
Genau das beschreibt in alltäglichen Beispielen das, was in der Liturgik "gestufte Feierlichkeit" heißt. An normalen Werktagen trägt der Priester wohl nur selten eine Kasel von feinstem Brokat oder edler Damastseide. An Hochfesten jedoch sollte er den Kartoffelsack (entschuldigt die Ausdrucksweise...) ruhig im Schrank lassen. Auch der gesamten Kirchenraum kann so zu den verschiedenen Zeiten im Jahreskreis mit seinen Festen und Hochfesten, Werk- und Gedenktagen verschieden geschmückt werden.

Als Bildbeispiel dazu will ich mal meine eigene Gebetsecke nehmen. In den letzten Tagen hat sich da ziemlich viel getan... Von der Fastenzeit (da hab ich leider kein Bild von gemacht) über die Karwoche, Kafreitag und Karsamstag, bishin zum Hochfest Ostern.

Schlicht: die Karwoche
Trauer: Karfreitag und Karsamstag
Festlich: Hochfest Ostern
Da ich vorhabe, über Paramentik separat zu schreiben, habe ich hier mal keine Bilder von feierlichen Messgewändern etc. genommen ;)

Kommentare:

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Das "Kirche" heute eine Art Freizeitbeschäftigung geworden ist, läßt sich an der getragenen Freizeitkleidung ablesen. Wer wie ich einen (schwarzen) Anzug zu den Hochämtern wählt, ist in der Regel sehr allein und erntet eher Unverständnis für das angestaubt konventionelle Auftreten, da es ja heute Konvention ist, nur noch unkonventionell zu sein. In solchen Momenten gelüstet es mich dann nach einem "Stresemann" oder Cutaway!

Klemens hat gesagt…

leider zieht sich der Sensus für die gestufte Feierlichkeit durch das gesamte Leben, macht jedoch einen großen Bogen um die Kirche

Das wäre wirklich mal wieder was, wenn eine Gemeinde zum Hochamt auch wirklich festlich gekleidet käme...

ich für meinen Teil trage Soutane, da ich fast immer ministriere.