Sonntag, 1. Mai 2011

Bräuche zu Ostern - Das Osterreiten - Gastbeitrag


Heute gibt es einen ersten Gastbeitrag in meinem Liturgie-Label. Kerstin Šnajderec, eine Kommilitonin aus Erfurt, studiert im 10. Semester Theologie und ist in der sorbischen Lausitz beheimatet. Die (Ober-)Sorben sind ein katholisches Volk im Osten Sachsens. Also nebem dem Eichsfeld in Thüringen die letzte katholische Gegend in den Neuen Bundesländern. 

Das Osterreiten
... ist einer der bekanntesten sorbischen Osterbräuche in der Oberlausitz und doch gibt es das nicht nur bei den Sorben (Bsp.: Ostritz oder Klein Radden). Es ist auch nicht nur ein Brauch – es ist eine Überzeugung vieler Männer ab 14 Jahren, denn die 9 Osterreiterprozessionen, die zu Ostern in der Oberlausitz unterwegs sind verkünden der jeweiligen Nachbargemeinde (in jetziger Zeit auch den am Rande der Strecke stehenden Menschenmengen), dass Christus von den Toten auferstanden ist – Halleluja!!!
Seit wann das Osterreiten praktiziert wird weiß man nicht so genau. Aber man weiß, dass es eigentlich ein heidnischer Brauch war, um die bösen Geister des Winters von den Feldern zu vertreiben. Der Brauch wurde einfach christianisiert. Die erste Erwähnung einer Osterreiterprozession zwischen Wittichenau und Ralbitz finden wir in Dokumenten des Jahres 1541.
Zum Ostersonntag werden die Pferde schön geschmückt – ihre Mähnen werden geflochten oder toupiert, sie bekommen besonderes Zaumzeug (mit Muscheln, Messing oder Blumen verziert), an ihren Schweif wird eine bestickte Schleife gebunden und sie bekommen eine besondere Satteldecke mit dem Symbol des Osterlammes.
Die Reiter ziehen sich Gehrock und Zylinder an, (manchmal auch weiße Handschuhe) ein weißes Hemd und eine schwarze Krawatte – nur die Wittichenauer Osterreiter haben statt der Krawatte einen Querbinder (Fliege).
In der Prozession werden Standarten, das Kreuz und eine Figur des Auferstandenen Christus mitgetragen. Meist zieren die Standarten den Anfang der Prozession und während der Prozession den Anfang eines zur Gemeinde gehörenden Dorfes. Das Kreuz, das schon am Krafreitag von der Gemeinde geehrt wurde bekommt eine Stola umgelegt und wird von einem Reiter mitgenommen, der von 2 anderen Reitern flankiert wird. Genauso wie bei der Figur des Auferstandenen. Die Reiter umreiten die Kirche drei Mal, dabei wird jedes einzelne Reiterpaar von einem Priester (meist der Ortsansässige, wenn dieser nicht mitreitet) mit Weihwasser gesegnet und in der letzten Runde vom Priester und Ministranten aus dem Dorf hinausbegleitet.
Trotz etwa 1700 Pferden und großen Menschenmassen ist es jedes Jahr wieder ein Wunder, dass keine größeren Unfälle passieren. Zum Dank für die gelungene Prozession feiern die Osterreiter aller sorbischen Gemeinden am Osterdienstag eine Messe in der Wallfahrtskirche zu Rosenthal.
Und somit Euch allen auch ein freudiges Halleluja – Christus ist von den Toten auferstanden!

Anfangspaar der Ralbitzer Prozession mit Standarten 
(hl. Katharina von Alexandrien = Kirchenpatronin + Christus König)
(Satteldecke gut zu sehen, toupierte Mähne, verziertes Zaumzeug, Weihwasserbesprengung durch den Priester)

Das Kreuz flankiert von 2 anderen Reitern  
 


Die Figur des Auferstandenen flankiert von 2 Reitern

Hinausbegleitung durch den Priester und Ministranten

Ein Priester in Ornat reitet mit den Wittichenauer Reitern

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