Freitag, 20. Mai 2011

Die Hand I

Ich war heute das erste mal seit langem wieder in der 12-Uhr Messe im Stephansdom, für gewöhnlich bin ich zu der Zeit bei der Mittagshore im Schottenstift, aber nachdem mich mein Mitbewohner Sebastian gefragt hat, ob ich mitkäme, hatte ich mich eigentlich auch auf die Hl. Messe im schönen Steffel gefreut. 
Nun... leider war es nicht sehr schön und ich war nach dem Gottesdienst sehr enttäuscht und auch wütend. Nicht etwa, weil Touristen, wie es sonst manchmal ist, viel Lärm gemacht hätten, nicht weil die Orgel schlecht gespielt hätte (obwohl es so schön auch nicht war), sondern weil der Priester einfach nicht schön zelebriert hat.
Vom Einzug bis zum Auszug, die gesamte Feier war alles andere als würdig und feierlich... total flappsig und schludrig, unwürdig. Leider! Und angefangen hat es schon beim Einzug mit der Haltung der Hände....

Die Hand
Wenn ich mir von einer Person einen etwas gründlicheren ersten Eindruck machen möchte, schaue ich ihr auf die Hände. Das mag etwas oberflächlich klingen, aber ich glaube, an den Händen einer Person kann man viel über diese ablesen. Weniger daran, wie groß oder klein sie ist, wie dick oder dünn die Finger sind, ob die Haut glatt oder faltig ist; das sind Unterschiede, die jedes paar Hände so individuell wie seinen Besitzer machen. Aber an der Haltung der Hände, an ihrer Sauberkeit, an den Fingernägeln etc. kann man schon viel über di Person erkennen. 
Mein Vater arbeitet selbst in einem Industriebetrieb und hat oft, wenn er von Arbeit nach Hause kommt schmutzige Finger, aber ungepflegt sind sie nicht. Aber es gibt auch Leute, die den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen und trotzdem viel Dreck unter den Fingernägeln haben. Es gibt Menschen, die können mit ihren Händen eine Geschichte wirkungsvoll untermalen und dann es andere, bei denen wirkt jede Handbewegung aufgesetzt, übertrieben und unglaubwürdig. Die Hand ist, so schreibt Romano Guardini in seinem Büchlein "Von heiligen Zeichen", Werkzeug und Spiegel der Seele.

So kann man auch in der Liturgie viel von den Händen ablesen. Ich kenne verschiedene Arten, die Hände im Gottesdienst zu halten und alle haben ihre Schwächen und Stärken und sind deshalb für bestimmte Teile des Gottesdienstes besser geeignet, für andere wiederum weniger. 

Damit der Post nicht zu lang wird, möchte ich hier mit einer Handhaltung anfangen:
Die gefalteten Hände
Es gibt verschiedene Weisen, die Hände zu falten, die "bekannteste" ist sicherlich die, einfach die Handflächen flach aufeinander zu legen, wie es Albrecht Dürer in seiner Bildstudie "Betende Hände" gezeichnet hat. Es ist eine sehr andächtige und (im positiven Sinne) fromme Haltung, die in der Liturgie noch durch das Überkreuzen der Daumen gekennzeichnet ist (dabei liegt, der Tradition nach der rechte Daumen über dem linken). Eine wichtige Bedeutung hatte diese Haltung vor allem im Lehnswesen des Mittelalters als die Vasallen dem Lehnsherren ihre Treue versprachen und dabei ihre so gefalteten Hände in seine geöffneten Hände legten. Dieses Zeichen ist bis heute in unserer Liturgie enthalten, wenn der Weihekandidat dem Bischof gegenüber seinen Gehorsam verspricht. Wenn wir also im Gottesdienst unsere Hände so falten, legen wir sie dem treuen Herrn und Gott ebenfalls in die Hände und besiegeln so das Versprechen unsere Treue und Zuneigung zu ihm mit dem Kreuz, dass durch unsere Daumen gezeichnet wird.
Eine zweite Weise, die Hände zu falten ist jene, die Finger ineinander zu verschränken. Diese Haltung ermöglicht, so empfinde ich es, die eigene Hand auch ganz fest zu drücken und sich daran festzuhalten. So wird sie eine flehende und Halt-suchende Haltung. Die Finger können aber auch ganz locker ineinander verschränkt sein, so wird sie Betrachtend und In-Sich-Sammelnd. Zwischen den Handflächen bleibt ein Raum, so ein Raum, der sich, je nach der eigenen Verfassung und Situation verschieden anfühlen kann, einmal gähnend leer, einmal über und über gefüllt. Diese Erfahrung durfte ich vor allem bei kontemplativen Übungen machen und bin dafür sehr dankbar.
Eine weitere Art, die Hände zu falten, ist es, die Hände über Kreuz aufeinander zu legen und mit den Fingern zu umfassen. Eine weitere, die Finger der einander gegenüberliegenden Hände ineinander zu haken.

Ich denke, jeder muss, gerade was das Händefalten angeht, seine eigenen Erfahrungen sammeln und so für sich selbst herausfinden, wie und wann er welche Art am besten für sich findet. Die ersten beiden beschriebenen Haltungen sind sicherlich die reichhaltigsten und so auch in liturgischen und generell kirchlichen Tradition die am stärksten überlieferten und auch bevorzugten.
Doch kann ich jedem versprechen, dass er, wenn er die Hände faltet eher in die Stille, ins Gebet kommt, sich eher sammeln kann, als wenn er sie schludrig nach unten baumeln lässt oder wild damit herumweldet, wie es der Priester heute in der Messe getan hat.
Hat man einen liturgischen Dienst übernommen, tut man somit sich selbst und auch den Gläubigen in den Bänken einen großen Gefallen. Ist doch die Liturgie immer auch heiliges Geschehen und verlangt so besonderer Würde, in welcher Weise auch immer.
Papst Pius XII. beim Gebet

Detail aus der Fußwaschungsszene im Kreuzgang von Stift Heiligenkreuz

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