Montag, 2. Mai 2011

Gebärden und Körperhaltungen - Allgemeines

Der Mensch lebt, trotz der Unterscheidung von Leib und Seele, nur in seiner Gesamtheit. Zwar kann man, auch wenn man einen kranken Körper hat, einen wachen Geist haben (und umgekehrt), doch sind beide Teile nicht voneinander trennbar. So kommt es auch, dass Haltungen und Gesten, die wir körperlich vollziehen eine innere Dimension haben. Diese innere Dimension wiederrum wirkt auch nach außen.
Das ist jetzt zugegeben vielleicht etwas kompliziert, zur Veranschaulichung ein Beispiel: wenn ich einen Film im Fernsehen oder im Kino (oder sonstwo) schaue, möchte ich möglichst bequem sitzen, am liebsten in einem Sessel, bei dem ich auch die Füße hochlegen kann. Bei einem Referat oder in der Uni ist es am besten, möglichst aufrecht zu sitzen, um nicht müde zu werden. Doch hat es hier auch eine Wirkung auf den Refenten oder Lehrenden, der anhand der Haltung fast immer auch den Geisteszustand seiner Zuhörer erkennen kann (zu Schulzeiten wollte ich das selbst nicht glauben...). Sitz man im Wartezimmer eines Amtes oder Arztes sitzt man manchmal wie auf heißen Kohlen. Beim Sonnen auf der Wiese sitzt man wiederrum anders (oder man liegt eben).
So kann schon zwischen verschiedenen Arten des Sitzens unterschieden werden, die sowohl äußerlich als auch innerlich jeweils ziemlich verschieden wirken. 

Das gilt auch in der Liturgie: es gibt viele verschiedene Haltungen, Gesten und Gebärden, die ihre jeweils eigene Bedeutung und Wirkung haben; sowohl nach innen als auch nach außen. In der Grundordnung des (neuen) römischen Messbuchs (GORM) steht es so: "Die Gebärden und Körperhaltungen [...] müssen darauf abzielen, dass die ganze Feier in Schönheit vornehmer Schlichtheit erstrahlt sowie die wahre und volle Bedeutung ihrer unterschiedlichen Teile erfasst und die Teilnahme aller gefördert wird" (Nr. 42). Nach außen soll also der Feier der Liturgie die Feierlichkeit (und auch Andächtigkeit) verliehen und nach innen ein besseres Verstehen und ein aktives Teilnehmen ermöglicht werden.

So empfinde ich selbst die Haltungen und Gesten in der Liturgie als eine große Bereicherung, nach innen und nach außen.

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