Freitag, 6. Mai 2011

Über die priesterliche Berufung

Zu Ostern bekam ich, als Dank für die liturgische Hilfe, von Pater Sebastian ein Buch von Christoph Kardinal Schönborn geschenkt. Es handelt sich um Exerzitien, die er 2009 anlässlich des Priesterjahres in Ars hielt und die nun im Herder-Verlag veröffentlicht wurden: "Die Freude, Priester zu sein".

Im ersten Kapitel schreibt der Kardinal über die priesterliche Berufung "Geweiht sein für das Heil der Welt". Ich las die Seiten heute nach meiner Dogmatikprüfung und trotz der anstrengenden Woche, meiner Müdigkeit und der wunderbaren Sonne, die ich auf der Wiese vor dem KHM genießen konnte, war es mir eine große Freude, dieses Kapitel lesen zu dürfen.

Besonders interessant fand ich das dritte Unterkapitel in dem Kardinal Schönborn über das gemeinsame Priestertum der Getauften und das Priestertum des Dienstes schreibt und die Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils entfaltet.
Der Unterschied zwischen beiden ist nach dem Konzil ein wesentlicher (also dem Wesen nach), kein gradueller (essentia et non gradu tantum (LG 10,2)). Damit ist nicht gemeint, dass die Priester durch ihre Weihe  höhere Wesen einer anderen Natur sind. Vielmehr soll der Priester "kraft seiner heiligen Gewalt, die er innehat, das priesterliche Volk heran [bilden und leiten], er vollzieht in der Person Christi das eucharistische Opfer und bringt es im Namen des ganzen Volkes Gott dar" (LG 10,2). Die Laien "hingegen wirken kraft ihres königlichen Priestertums an der eucharistischen Darbringung mit und üben ihr Priestertum aus im Empfang der Sakramente, im Gebet, in der Danksagung, im Zeugnis eines heiligen Lebens, durch Selbstverleugnung und tätige Liebe" (ebd.).
Mitte des priesterlichen Wirkens, des "Heranbildens und Leitens", ist es, das eucharistische Opfer darzubringen, die Hl. Messe zu zelebrieren. Diese Aufgabe ist dem Priestertum des Dienstes ureigen. 

Den wesentlichen Unterschied zwischen den beiden Arten der Teilnahme am einen Priestertum Christi erläutert der Kardinal dann anhand der authentischen Interpretation des Konzilstextes im Katechismus "Während das gemeinsame Priestertum der Gläubigen sich in der Entfaltung der Taufgnade, im Leben des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, im Leben gemäß dem Heiligen Geist vollzieht, steht das Amtspriestertum im Dienst dieses gemeinsamen Priestertums. [...] Es ist eines der Mittel, durch die Christus seine Kirche unablässig aufbaut und leitet. Deshalb wird es durch ein eigenes Sakrament übertragen, durch das Sakrament der Weihe" (KKK 1547). Das Amtspriestertum ist dazu berufen, dem allgemeinen Priestertum als Mittel auf dem Weg zum Ziel - der "völligen Teilnahme am göttlichen Leben" (S. 28), zu dienen.

Noch einmal zur Unterscheidung dem Wesen,nicht dem Grade nach: Der Priester ist durch das Sakrament nicht in eine "Kategorie höherer Vollkommenheit" gekommen oder ein "Elitechrist" (S. 29) geworden. Auf dem Weg zur Vollkommenheit gibt es nur eine Dimension, über die man in Graden sprechen kann: die Heiligkeit. Heilig aber wird man durch sein eigenes Tun und Handeln, nicht durch einen Automatismus in der Weihe. Der Priester aber darf in seinem Dienst, seinem Wirken ein Instrument der Heiligung sein, wenn er in den Sakramenten in persona Christi handelt.

Das Priestertum des Dienstes ist also keine höhere Stufe des christlichen Lebens, wie der Kirche irrtümlich vorgeworfen wird, wenn man von der "Diskriminierung" derer spricht, die keinen Zugang zum Weihesakrament haben. Niemand wird durch die Nicht-Zulassung zur Weihe von der Heiligkeit ausgeschlossen. Die Heiligkeit aber ist die völlige Teilnahme am göttlichen Leben.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Danke für den Buchtipp, hört sich ja ganz vielversprechend an.

Dass es hier um Exerzitien geht, die der Kardinal während des Priesterjahres in Ars hielt, spricht mich natürlich besonders an, zumal wir auch dort waren. ;-)


Matthias