Mittwoch, 22. Juni 2011

Fronleichnam

Morgen feiert die Kirche das Hochfest Fronleichnam. Es ist das Fest, an dem wir der Einsetzung der Eucharistie im letzten Abendmahl Christi gedenken.
Entstanden ist das Fest Anfang des 13. Jahrhunderts, als die belgische Augustinernonne Juliana in einer Vision einen Vollmond sah, der an einer Stelle verdunkelt war. Sie erkannte in dieser Vision, dass im Lichtkreis der Liturgie (Mond) ein Fest der Verehrung der Eucharistie fehlte. (vgl. Kleines Lexikon des christlichen Brauchtums, Fronleichnam). Schnell wurde das neue Fest in der ganzen Kirche gefeiert und auch verbindlich gemacht, nachdem sich nicht nur der Bischof von Lüttich, sondern auch die Päpste Urban IV, Clemens V. und Johannes XXII. dafür einsetzten.
Der Name des Festes Fronleichnam ist aus den altdeutschen Wörtern "fron" (Herr) und "lichnam" (Leib) zusammengesetzt und weist darauf hin, dass es uns in der Feier dieses Tages um den Leib unseres Herren Christus geht, der Ihn als das Allerheiligste mitten unter uns sein lässt. Im späten Mittelalter und in der Barockzeit hatte das Fest deshalb eine besonders hervorgehobene Bedeutung, da man kaum noch kommunizierte (also bei der Kommunion den Leib des Herrn empfing), sondern zu einer Schaufrömmigkeit gekommen war, die sich auch in den Kirchenbauten (gotische Sakramentenhäuschen, barocke Tabernakelhochaltäre) wiederspiegelt. Wenn nun das Allerheiligste in der Monstranz (einem Schaugerät) durch den Ort getragen wurden und damit der Ort und die Flur so sichtbar gesegnet wurden, war dies für die Menschen ein ganz besonderes "Highlight" des Kirchenjahres.

Doch ist Fronleichnam auch Heute noch aktuell? Brauchen wir dieses Ideenfest noch, dass ja nicht wie Ostern oder Pfingsten direkt auf die Bibel und die frühe Kirche zurückgeht?
Papst Benedikt XVI. hat es noch als Kardinal einmal so ausgedrückt: "Wir brauchen dieses Fest heut mehr denn je". Fronleichnam ist nicht nur ein Zur-Schau-Tragen eines Stückes Brot. Fronleichnam ist viel mehr eine Auseinandersetzung mit dem Leben und Sterben Christi für uns Menschen, denn er gibt sich uns immer wieder neu im gewandelten Brot und Wein und ist so ganz gegenwärtig.
Deutlich macht dies auch ein Brief des katholischen Jesuitenpaters Alfred Delp, der unter den Nazis als Märtyrer starb. Er schrieb diesen Brief nach dem 11. Januar 1945, dem Tag, an dem er durch Roland Freisler zum Tode verurteilt wurde, in seiner Zelle mit gefesselten Händen und berichtet: "Auch bei der Verurteilung war ich innerlich so unbeteiligt wie an den ganzen zwei Tagen. Ich habe die zwei Tage das Sanctissimum bei mir gehabt und vor der Fahrt zum Urteil zelebriert und als letzte Speise die Speise genossen. So wollte ich bereit sein...".
Wenn wir also morgen das Hochfest Fronleichnam feiern, dann können wir uns gewiss sein, dass Er, Jesus Christus, bei uns ist, nicht nur in Friedenszeiten, auch in Krankheit, Not und Leiden, in der tiefsten Bedrängnis. Und dies zeigen wir, wenn wir mit der Monstranz und dem Himmel durch die Ort ziehen und den eucharistischen Segen an den Altären empfangen.


Keine Kommentare: