Mittwoch, 22. Juni 2011

Odorem notitiae Christi manifestare

In der Tageszeitzeitung "Thüringer Allgemeine" gibt es ein Interview mit dem ernannten Bischof von Görlitz, ich kopier es einfach mal hier rein...

  • Herzlichen Glückwunsch zur Ernennung als Bischof. Wie haben Sie davon erfahren? 
  • Ich habe am vergangenen Freitag ein Fax von der Apostolischen Nuntiatur aus Berlin erhalten, in dem Stand, dass am Samstag meine Ernennung öffentlich bekannt gegeben wird. Ich hatte also 24 Stunden Zeit, um mich darauf vorzubereiten.  

  • Waren Sie erleichtert oder besorgt? 
  • Nein, eher beunruhigt. Dass ich Kandidat bin, habe ich 14 Tage vorher erfahren. Es verdichteten sich Gerüchte. Die Wahl des Bischofs im Domkapitel ist ein relativ geheimes Verfahren. Und dann kam der Anruf, dass ich Kandidat bin. Daraufhin habe ich mir eine Woche Bedenkzeit erbeten - und dann Ja gesagt.  

  • Das neue Amt ändert Ihre Lebensplanung? 
  • Ja, das stimmt. Und ich muss die Heimat verlassen. Denn ich bin ja in Gotha geboren und habe in Erfurt studiert.  

  • Das Bistum Görlitz wurde stets als Brückenkopf zur polnischen Bischofskonferenz gesehen. Wo sehen Sie den Schwerpunkt Ihrer künftigen Arbeit? 
  • Diese Tradition der Versöhnung möchte ich fortführen. Ob ich von der Deutschen Bischofskonferenz auch als Kontaktmann nach Polen ausgesucht werde, das kann ich jetzt noch nicht sagen. Dann muss ich mich wohl auch in die Sprache vertiefen.  

  • In Ihrer Arbeit am Priesterseminar in Erfurt haben Sie einen Schwerpunkt bei Spiritualität gesetzt. Wie führen Sie das fort? 
  • Ich möchte die Innenseite des Seelsorgedienstes bei den Mit-arbeitern stärken. Wir sind nicht Funktionäre oder Religionsdiener, was man uns nachsagt. Der Dienst lebt von der persönlichen Glaubensüberzeugung. Das will ich zum Leuchten bringen.  

  • Welchen Wahlspruch nehmen Sie als Bischof an? 
  • Es ist ein Gedanke aus dem 2. Korintherbrief, in dem Paulus viel über seinen Dienst, die Anfechtungen und die Schwierigkeiten schreibt: Odorem notitiae Christi manifestare. Den Duft der Erkenntnis Christi verbreiten. Für mich ist das ein schönes Bild. Es ist wie eine Parfümflasche, aus der der Duft heraus muss.  

  • Wann ist die Bischofsweihe? 
  • Der Termin steht noch nicht fest. Sie wird aber noch vor dem Besuch des Papstes im September sein, vermutlich Ende August. Ich werde als Bischof dann hier in Erfurt zu Gast sein. Ich vermute, dass diese Woche auch der neue Erzbischof von Berlin ernannt wird, weil der Papst-Besuch den neuen Bundesländern gilt.  

  • Es gibt viele Stimmen, die den Papst-Besuch ablehnen, weil die Kosten so hoch sind? 
  • Ich kann das zum Teil nachvollziehen. Aber ich erhoffe mir mehr Verständnis. Der Papst ist zwar Oberhaupt der katholischen Kirche, aber was er sagt, ist für alle Menschen bedeutungsvoll. Ich wünsche mir da bei den Kritikern mehr Offenheit. Die Botschaften des Papstes sind eine Stärkung der Menschlichkeit.  

  • Der Papst wird im Priesterseminar übernachten? Ja, wir bereiten das schon wochenlang vor. Auf seinen Reisen übernachtet der Papst immer in kirchlichen Häusern.  

  • Wann wird Ihr Nachfolger am Priesterseminar ernannt? 
  • Den müssen wir bis Ende Juli suchen. Die fünf ostdeutschen Bischöfe, die dieses Haus tragen, müssen sich darüber verständigen. Am 1. September geht wieder das Semester los.

1 Kommentar:

Matthias hat gesagt…

Danke fürs Posten!
Das Interview kannte ich noch nicht in der Länge.