Dienstag, 21. Juni 2011

Von der wahren und der falschen Reform

Bischof von Keppler hat schon vor über 100 Jahren Worte gefunden, die das heutige Problem des deutschen Reformwillens bezüglich der Kirche bestens treffen. 

„Die wahre Reform ist immer eine Reform von Grund aus, von innen heraus, von innen nach außen, nicht von außen nach innen. Reformieren heißt zurückbilden. Will man eine Sache reformieren, so muss man auf ihren Kern, auf ihr tiefstes Wesen zurückgehen und prüfen, ob die Entwicklung und Ausgestaltung der Sache normal, d.h. dem Kern und Wesen entsprechend ist. Will man den Katholizismus reformieren, dann muss man auf seinen göttlichen Kern zurückgehen und prüfen, ob das Menschliche in seiner Erscheinung und Entwicklung dem Göttlichen konform ist. Da, wo es nicht konform ist, muss der Hebel der Reform einsetzen. Doch darf dabei die Kontinuität der bisherigen Entwicklung nicht ignoriert und durchbrochen, sie muss gewahrt und fortgeführt werden… Man kann einen Mann nicht dadurch reformieren, dass man ihn wieder in seine Kinderkleider steckt. Es ist so unlogisch, so unwissenschaftlich, so unhistorisch als möglich, mit Ignorierung der ganzen Entwicklung der Kirche eine Urkirche, ein Urchristentum konstruieren zu wollen und als die reinste Form, als gründlichste Reform ausgeben zu wollen. Das ist nicht Kirchenreform, das ist Reformkirche, die man nach eigenem Kopf aus einigen aus dem Fundament herausgebrochenen Steinen aufbauen will.“

„Überblicken wir nun das Tun und Treiben der heutigen katholischen Reformer. Gehen sie tatsächlich auf eine Reform im oben erläuterten Sinne aus? Keineswegs. Sie geben vor, den Katholizismus, das Christentum dadurch regenerieren zu wollen, daß sie dieselben auf das Wesentliche reduzieren, das Unwesentliche abstreifen. Was wesentlich, was unwesentlich ist, wollen natürlich sie entscheiden. Das kann ihnen nicht verstattet werden. Ihre Auffassung ist nur zu oft eine schülerhafte, mechanische. Was sie vom Katholizismus abstreifen wollen, ist oft gerade die lieblichste Blüte, der süßeste Duft desselben.“

„Das Christentum und der Katholizismus können nur reformiert werden in dem Geist und aus dem Geist, der beide ins Leben gerufen hat und beide beseelt. Der Heilige Geist allein darf hier maßgebend sein, muß die Seele jeder kirchlichen Reform sein. Diese wird zunächst darin bestehen, daß dem Eindringen des gottesfeindlichen Geistes, des Geistes der Hölle, der Welt, der ‚Zeit‘ in die Kirche gewehrt wird. Ein untrügliches Symptom falscher Reformbestrebungen ist es daher, wenn dieselben nicht im Namen des Heiligen Geistes, sondern im Namen des ‚Geistes der Zeit‘ ans Werk gehen.“

Es heißt den Katholizismus schlecht beraten, es zeugt von Mangel an politischem Sinn, wenn man ihm zumutet, sich durch Konzessionen, Kompromisse, Abstriche in der modernen Welt das Existenz- und Wohnrecht zu erkaufen oder zu erschleichen. Die das tun, sind nicht seine Vertreter, sondern seine Verräter. Sie mögen übrigens noch so viele Abstriche und Zugeständnisse machen: Sie werden dem Haß und der Verfolgung der Welt nicht entgehen, solange sie nicht die Kirche ganz aufgeben. Was der modernen Welt am Christentum zuwider ist, ist in intellektueller Hinsicht das Wunder, in sittlicher Hinsicht die Autorität. Was hilft es dem Kompromißkatholiken, um ersteres sich so viel als möglich herumzudrücken, letzterer sich so viel als möglich zu entziehen? Ehe sie nicht das Wunder ganz leugnen und die Autorität ganz verleugnen, können sie bei den Modernen doch nicht zu Gnaden kommen. Die Hoffnung, durch Kompromisse und Konzessionen ‚moderne‘ Menschen fürs Christentum und den Katholizismus zu gewinnen, ist nichtig. Wer ganz ins Moderne verstrickt ist, ist vorerst nicht zu gewinnen. Wer des Modernen satt geworden, ist nur zu gewinnen durch etwas total anderes, durch ein echtes Glaubensleben, ein unverfälschtes, unverkümmertes Christentum, nicht durch ein modernisiertes Christentum, nicht durch einen Margarinekatholizismus. Die Geschichte der Konversionen beweist es hundertfach, daß zu allen Zeiten die edelsten Akquisitionen zu verdanken sind nicht einem ‚Christentum der Mindestbietenden‘…“

Eine Reform des Katholizismus muß selbstverständlich vor allem eine religiöse Reform sein. Ihre primären Triebkräfte und Hilfskräfte sind daher religiöse, die übernatürlichen Heilskräfte und Gnadenmittel, der Glaube, die Sakramente, das Meßopfer, das Gebet, die Beichte. Das Sakrament der Buße ist das eigentliche Reformsakrament… Hat man jemals gehört, daß einer der heutigen Reformer die Katholiken auch zum Gebet, zur Buße, zur Beicht ermahnt hätte? Und doch ist dies die Vorbedingung jedes Heils. Man soll das Pferd nicht hinter den Wagen spannen. Die falschen Reformer aller Zeiten sind daran zu erkennen, daß in ihren Plänen gerade die religiösen, übernatürlichen Kräfte keine Rolle spielen…“

„Wir fürchten sehr, daß diese ganze Bewegung, wenn sie sich nicht beizeiten selbst korrigiert, keine andere Frucht zeitigen wird als Öde und Verwirrung, wenn nicht gar Abfall… Deutschkatholizismus ist weder ein gutes Wort noch eine gute Sache….“

„Halten Sie sich immer die einfache Wahrheit gegenwärtig: daß ein Katholik vor allem katholisch sein und bleiben muß. Um dies zu sehen und zu sagen, braucht man nicht ultrakonservativ zu sein; mit diesem Wort wird gegnerischerseits ohnedies Mißbrauch getrieben; da ja das Wort ultramontan nicht mehr zieht, hat man dieses neue Wort ‚ultrakonservativ‘ in Kurs gebracht; im Grunde soll das eine und das andere Wort diejenigen Katholiken bezeichnen, die katholisch bleiben wollen.“

„… wir legen alle unsere Gedanken, Besorgnisse, Mahnungen und Vorschläge in die durchbohrten Hände und in das durchstochene Herz dessen, welcher Ausgangspunkt, Mittelpunkt, Endpunkt jeder wahren Reform sein muß, des Gottmenschen Jesus Christus. Wir bitten ihn, daß er uns den Geist der wahren Reform sende, seinen Geist, den Heiligen Geist, den Gottesgeist. Emitte Spiritum Tuum et creabuntur et renovabis faciem terrae.“

 
Es kann also bei einer Reform nicht darum gehen, alles was ungemütlich und unzeitgemäß ist, einfach abzuschaffen und so zu tun, als ob es nie existiert hätte. Denn grade die Kernbotschaften Christi sind eben unbequem und nicht modern. Lassen wir uns nicht zu Magarinekatholiken machen!

[HT an Pfr. Christoph Sperling, der mich auf diesen Text hingewiesen hat]

Keine Kommentare: