Freitag, 8. Juli 2011

Caritas zur Zulassung der PID in Deutschland

Zulassung der PID ist falsches Signal in die Gesellschaft
Berlin, 7. Juli 2011. Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages haben sich heute für den Gesetzesantrag der Abgeordneten Ulrike Flach (FDP) und Peter Hintze (CDU) entschieden. Dies bedeutet, dass in Deutschland künftig die Möglichkeiten der Präimplantationsdiagnostik (PID) in einem klar abgesteckten Rahmen genutzt werden können. „Ich bedauere sehr, dass sich die Abgeordneten nicht für ein Verbot der PID ausgesprochen haben“, so Caritas-Präsident Peter Neher nach der Abstimmung.

Mit der Zulassung der PID sende die Politik das falsche Signal. „Die Zulassung der PID bedeutet einen Rückschlag für das Anliegen, Menschen mit schwerer Behinderung oder Krankheit in unsere Gesellschaft zu integrieren“, kritisiert Neher.

Im Vorfeld der Debatte sei absehbar gewesen, dass es eine knappe Entscheidung werden würde. So wurde auf der einen Seite um ein solidarisches Verhalten mit den betroffenen Paaren und deren Wunsch nach einem Kind gerungen. Die Gegner der PID hatten auf der anderen Seite immer ihrer Sorge um die gesellschaftliche Akzeptanz von Menschen mit Behinderung und den Schutz der Embryonen hingewiesen. Die Mehrheit des Parlaments ist nun den Argumenten der Befürworter der PID gefolgt.

„Das Parlament hat sich in dieser Debatte auf einem hohen Niveau mit dieser wichtigen ethischen Frage auseinandergesetzt. Die Diskussion um die PID hat uns alle für die Situation von betroffenen Paaren sensibilisiert“, so Neher. Allerdings werde durch die PID das äußerst belastende Dilemma, in dem sich die betroffenen Frauen bzw. Paare befinden, nicht gelöst.

Mit der Zulassung der PID komme jetzt eine Technik zum Einsatz, die insbesondere für Frauen körperlich und seelisch sehr belastend sei. Betroffene Eltern dürften nun nicht unter Druck gesetzt werden, eine PID machen zu müssen. „Ich befürchte, dass die Entscheidung für ein möglicherweise behindertes Kind jetzt noch schwerer fällt. Eine bessere Beratung und Unterstützung betroffener Paare und Familien ist dringend erforderlich“, macht Neher deutlich.

Nach wie vor müsse es ein zentrales Ziel in der Politik und in der Gesellschaft sein, Menschen mit Behinderung nicht länger als defizitär anzusehen. Nur so könne es gelingen, Diskriminierung zu unterbinden und die selbstbestimmte Teilhabe aller Menschen am Leben in der Gesellschaft zu ermöglichen. Die Caritas wird weiterhin mit ihrem Beratungsangebot und ihren Hilfen betroffene Paare und Frauen begleiten und sich für eine größere Solidarität für Menschen mit Behinderung und ihren Angehörigen einsetzen. Die diesjährige Caritas-Kampagne will dazu beitragen: www.kein-mensch-ist-perfekt.de

Kontakt: PD Dr. Ulrike Kostka, Abteilungsleiterin Theologie und verbandliche Grundlagen, Telefon: 0761 200-658, E-Mail: ulrike.kostka@caritas.de

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