Samstag, 20. August 2011

Die Baeder von Lourdes

Heute hatte ich Dienst in den Baedern von Lourdes. Die meisten wissen damit wahrscheinlich nicht allzuviel anzufangen. Ich selbst hatte, bis ich es selbst erlebt habe, keine Ahnung, wie das aussieht und funktioniert. Also hier eine kleine Erklaerung, auch meiner Erfahrungen.
Die Baeder von Lourdes haben ihren Ursprung in einer der Erscheinungen der Gottesmutter an der Grotte von Lourdes. Sie wies Bernardette auf eine damals verborgene Quelle hin und sagte "Trinken Sie von der Quelle und waschen Sie sich mit dem Wasser". Schon waehrend der Erscheinungen geschah dann die erste Wunderheilung mit dem Wasser der Grotte. Seitdem kommen die Menschen um von der Quelle zu trinken und sich mit dem Wasser zu waschen.
Aus diesem Grund wurden spaeter die Baeder gebaut: in einem langem Gebaeude hinter der Grotte sind 6 Baeder fuer Maenner, 11 fuer Frauen und 2 fuer Kinder. Die einzelnen Baeder bestehen aus 2 Raeumen. Dem Vorraum, in dem man sich bis auf die Unterhose auszieht und auf das Bad vorbereitet, und dem eigentlichen Bad. In diesem Raum ist in mittig eine Mamorwanne in die 3 Stufen hineinfuehren. Links und rechts davon ist Platz fuer die Helfer, die den Badenden zur Seite stehen.
Nun darf man sich die Sache nicht wie ein gemuetliches Vollbad in der heimischen Badewanne vorstellen, das Wasser kommt direkt von der Quelle und hat eine Temperatur um etwa 12Grad. Wenn man in den Baderaum kommt, stehen meist 3 Helfer bereit. Einer haelt einem ein Tuch vor und man zieht die Unterhose aus, dann wird einem das Tuch umgewickelt. Dabei wird sehr darauf geachtet, dass die Intimsspaere immer gewahrt bleibt. Ist man zum Bad bereit, steigt man die erste Stufe in die Wanne hinein und die Helfer begleiten einem im Gebet, meist das Kreuzzeichen, ein Ave Maria und etwas Zeit fuer eigene Anliegen. Dann steigt man in dieWanne und geht vor bis zum gegenueberliegenden Ende, die Helfer gehen links und rechts mit, damit man nicht ausrutscht oder im kalten Wasser erschrickt. Dann kommt das eigentliche Baden, ein kurzes nach hinten Setzen, bis man etwa bis zum Hals im Wasser ist, sofort wird man von den Helfern aufgerichtet und bittet um den Schutz der Gottesmutter und der heiligen Bernadette. Nach dem Bad wird einem aus der Wanne wieder hinaus geholfen und das Tuch wird einem wieder abgenommen und vorgehalten, so dass man sich anziehen kann.

Man braucht bei dem Bad keine Badesachen oder ein Handtuch, denn durch den Temperaturunterschied von Wasser und Koerper trocknet man von ganz allein in wenigen Augenblicken.

Als Helfer in den Baedern hatte ich natuerlich ganz andere Impressionen, als die Badenden. Wir hatten einige Schwerkranke oder -behinderte in meinem Bad. Drei konnten nur sitzend in die Baeder gehoben werden, zwei sogar nur liegend. Der grosse Aufwand ist dabei die eine Seite, der direkte Kontakt zu solchem menschlichen Elend und der Gebrechlichkeit, aber auch die laechelnden Gesichter der Kranken nach dem Bad machen dies auf der anderen Seite aber gut. Die Reaktionen der Badenden sind so vielfaeltig und tiefgehend, gestandene Maenner brechen vor lauten Emotionen in Traenen aus, andere sind voller Dank, andere wiederum so ergriffen, dass sie einfach nur ein knappes aber herzliches "merci" hervorbringen So ist der Umgang zwischen den Helfern zwar oft sehr direkt und bestimmt, aber auch sehr behutsam. Vor und nach der Arbeit haben wir gemeinsam gebetet und uns ausgetauscht, wie es einem selbst auch ergangen ist. Sehr schoen war es auch, dass wir einige Vaeter mit ihren kleinen Kindern dabei hatten, die oft gar nicht ins Wasser wollten und erst viel Ueberzeugungsarbeit brauchten. Dabei ist die Sprache meist nicht so wichtig, viel wichtiger ist es, die Kinder bei der Hand zu nehmen und zu zeigen, dass es nicht schlimm ist.

Es wirklich eine beeindruckende Aufgabe und denke ich die tiefste Erfahrung, die ich von Lourdes mitnehmen darf.

(leider gab es nur ein kleines Foto auf der Seite von Lourdes)

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