Sonntag, 20. November 2011

Das Wagnis dem Ruf zu folgen

Ich hatte dieses Wochenende die großartige Möglichkeit, vor den Jugendlichen meines Bistums über meine Berufung Zeugnis ablegen zu dürfen. Über 200 Jugendliche hatten den Weg ins diözesane Bildungshaus nach Roßbach gefunden und sich gefragt, wie die Gesellschaft ohne Kirche und wie die Kirche ohne sie selbst aussähe.
Aus diesem Anlass gab es gestern eine große Auswahl an Workshops zu den verschiedensten Themen, einer davon hieß "Berufung heute folgen".

In diesem Workshop durfte ich, neben einigen anderen, die für ihre Berufung einstanden, Zeugnis abgeben.
Ich habe bei den verschiedenen Runden die zustande kamen vor allem gemerkt, dass es den Jugendlichen heute schwer fällt, eine feste Bindung einzugehen. Viele engagieren sich schon in verschiedenen Bereichen in der Kirche, aber die wenigsten würden das Wagnis eingehen, sich auch fest an die Kirche zu binden.
Betroffen machte mich die hedonistische Einstellung vieler, wenn ich immer das mache, was mir grad Spaß macht, dann finde ich doch letztlich zu meiner Berufung. Aus meiner Erfahrung des Priester-Werdens heraus habe ich dem widersprechen müssen und damit merklich einige der Jugendlichen zum Nachdenken anregen können.
Ich habe mich nicht auf diesen Weg gemacht, um Spaß zu haben und ich habe schon oft Situationen erlebt, wo es absolut keinen Spaß gemacht hat. Dennoch habe ich das Gefühl, auf dem für mich richtigen Weg zu sein, dem Ruf Gottes an mich selbst zu folgen. Dafür habe ich mich schon ein Stück weit auch an die Kirche gebunden und erfahre daraus oft eine große Gnade.

Leider konnten wir aufgrund zeitlicher Rahmensetzung oft nur wenig tiefgründig ins Gespräch kommen und nur erstmal oberflächlich umreißen, wozu denn jeder der Jugendlichen sich selbst auch in der Kirche berufen fühlt. Leider konnte sich keiner der Jugendlichen vorstellen, einmal Priester zu werden oder in einen Orden einzutreten.
Dennoch waren diese Runden zum Thema Berufung eine gute Sache. Es ist wichtig, den Jugendlichen immer wieder bewusst zu machen, dass die Kirche ohne ihr Mitwirken nicht sein kann, dass es wichtig ist, sich Gedanken zu machen, wie sich jeder Einzelne einbringen kann. Und vielleicht konnte ich, oder einer der anderen Gesprächspartner, ja den einen oder anderen innerlich berühren, sich zu fragen, ob Gott ihn nicht auch zum Priestertum, zum Ordensleben, zur Ehe, zum gottgeweihten Leben beruft.

Es ist eine schöne und spannende Erfahrung, sich für Gott auf den Weg zu machen, in eine tiefe Beziehung mit ihm hinein zu wachsen und auch wenn man viel (auf-)gibt, so habe ich doch das Gefühl, ein Vielfaches davon zurück zu bekommen. Ich denke, Gott beruft viele, doch nur wenige wollen sich dem Wagnis stellen, dem Ruf zu folgen, und viele nehmen den Ruf in dieser lauten Welt nicht mehr wahr. Doch es lohnt sich immer wieder hinzuhören. Dafür möchte ich auch weiterhin gerne Zeugnis ablegen!

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