Samstag, 24. Dezember 2011

Erste Klänge der Weihnacht - P. Alfred Delp

Nachdem ich die drei Adventsgestalten P. Alfred Delps SJ schon vorgestellt habe, möchte ich euch heute, am Nachmittag des Heiligen Abend noch den Abschluss dieser adventlichen Meditation dieses mystischen Märtyrers mitgeben:
Dreimal Advent als heilige und zugleich symbolische Gestalt. Das soll keine idyllische Kleinmalerei sein, sondern eine Anrede an mich und an dich, lieber Freund, wenn dich diese Blätter je finden. Es soll dies aber nicht zuerst schön gesagt sein, sondern es soll die Wahrheit sein, an der ich mich messen und ausrichten und wieder aufrichten will, wenn die vordergründige Last dieser Tage zu schwer und verführerisch verwirrend wird
Lasst uns also hinknien und um den dreifachen Adventssegen und die dreifache Weihe des Advent bitten. Lasst uns bitten um die Offenheit und Willigkeit, die Mahnboren des Herrn zu hören, und durch die Umkehr der Herzen die Verwüstung des Lebens überwinden, Lasst uns uns die ernsten Worte der Rufenden nicht scheuen und unterschlagen, damit nicht die, die heute unsere Henker sind, morgen noch einmal unsere Ankläger sind wegen der verschwiegenen Wahrheit.
Und wieder lasst uns hinknien und bitten um die hellen Augen, die fähig sind, Gottes kündende Boten zu sehen, um die wachen Herzen, die kundig sind, die Worte der Verheißung zu vernehmen. Die Welt ist mehr als ihre Last und das Leben mehr als die Summe seiner grauen Tage. Die goldenen Fäden der echten Wirklichkeit schlagen schon überall durch. Lasst uns dies wissen und lasst uns selbst tröstender Bote sein. Durch den die Hoffnung wächst, der ist ein Mensch selbst der Hoffnung und der Verheißung.
Und noch einmal wollen wir knien und bitten um den Glauben an die mütterliche Weihe des Lebens in der Gestalt der gesegneten Frau von Nazareth. Das Leben ist den grausamen und unbarmherzigen Mächten entrissen, auch heute und für immer. Lasst uns geduldig sein und warten, adventlich warten auf die Stunde, in der es dem Herrn gefällt, auch in dieser Nacht als Frucht und Geheimnis dieser Zeit neu zu erscheinen.
Advent ist Zeit der Verheißung, noch nicht der Erfüllung. Noch stehen wir mitten im Ganzen und in der logischen Unerbittlichkeit und Unabweisbarkeit des Schicksals. Noch sieht es für die gehaltenen Augen so aus, als ob die endgültigen Würfel doch da unten in diesen Tälern, auf diesen Kriegsfeldern, in diesen Lagern und Kerkern und Kellern geworfen würden. Der Wache spürt die anderen Kräfte am Werk, und er kann ihre Stunde erwarten.
Noch erfüllt der Lärm der Verwüstung und Vernichtung, das Geschrei der Selbstsicherheit und Anmaßung, das Weinen der Verzweiflung und Ohnmacht den Raum. Aber ringsherum am Horizont stehen schweigend die ewigen Dinge mit ihrer uralten Sehnsucht. Über ihnen liegt bereits das erste milde Licht der kommenden strahlenden Fülle. Von dorther erklingen erste Klänge wie von Schalmeien und singenden Knaben. Sie fügen sich noch nicht zu Lied und Melodie; es ist alles noch zu fern und erst verkündet und angesagt. Aber es geschieht. Die ist heute. Und morgen werden die Engel laut und jubelnd erzählen, was geschehen ist, und wir werden es wissen und werden selig sein, wenn wir dem Advent geglaubt und getraut haben.
 (P. Alfred Delp SJ; 1907 - 2. Feb. 1945)

 

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