Samstag, 28. Januar 2012

Am Grab des Heiligen Thomas

Als ich mich im vergangenen Sommer von meinem Praktikum in Lourdes auf den Heimweg machte, besuchte ich noch das Grab des heiligen Thomas von Aquin. 

Es war schon ein komisches Gefühl am Grabe eines so beeindruckenden Mannes der Theologiegeschichte zu knien, der gleichermaßen einen so wachen und messerscharfen als auch tiefspirituellen und gläubigen Geist hatte. Der heilige Thomas hat die Lehre und den Glauben der Kirche beeinflusst, wie kaum ein zweiter geprägt und beeinflusst und bis heute ist er der wohl wichtigste christliche Theologe überhaupt.
Doch nicht nur ob seiner theologischen Brillanz war es ein komisches Gefühl, dort zu sein, auch ob des wirklich erschütternden Zustandes seiner Grabeskirche. Am 28. Januar 1369 wurden die Gebeine des Doctor Angelicus von der Zisterzienserabtei Fossanova nach Toulouse übertragen. Damals sicherlich zur größeren Ehre des Heiligen. Heute ist es eher ein Trauerspiel. In einer riesengroßen gotischen Kirche steht irgendwo im Raum ein Altar mit dem Schrein des Aquinaten. Die Kirche sieht sowohl von außen, als auch von innen zwar beeindruckend aber vielmehr furchtbar verfallen aus. Der Innenraum ist von gigantischen Säulen und einer beeindruckenden Decke geprägt und von wunderbaren Fresken, die dem Zahn der Zeit anheim gegeben sind und langsam aber sicher auseinander bröseln. Vor dem Altar mit den sterblichen Überresten Thomas von Aquins stehen ein paar wackelige und klapprige Holzbänke, ansonsten ist der Raum leer und wirkt fast gespenstig verlassen.

Der heilige Thomas von Aquin war sehr demütig und hat ein rund halbes Jahr vor seinem Tode sein gesamtes Werk als Spreu im Vergleich zu dem was er schauen durfte beschrieben. Auch hat er stets alle Würden immer abgelehnt. Dennoch empfand ich diese Umstände seiner letzten Ruhestätte irgendwie als unwürdig und traurig.

Auf den Fotos, die ich gemacht habe, kommt diese Stimmung allerdings nicht ganz so rüber, eher erscheint der an sich wunderbare Bau noch einmal einwenig in altem Glanze.












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