Donnerstag, 29. März 2012

Versammelt um den einen Tisch

In der ersten Woche meines Praktikums fand die letzte Pfarrgemeinderatssitzung dieser Legislatur in meiner Praktikumspfarrei statt. Der wichtigste und zeitlich intensivste Tagesordnungspunkt war die Neuordnung der Gottesdienstzeiten ab August.
Die Pfarrei hat rund 4000 Gläubige und den neben den beiden großen Kirchen in der Innenstadt von Halle betreuen die Seelsorger auch noch das Kloster der Schwestern der heiligen Elisabeth und die Kuratie Hohenturm-Landsberg. Im Sommer werden für diese Situation noch 2 Priester zur Verfügung stehen, der Propst zu 50% und Pfarrer Vogler, der zu 50% in der Studentengemeinde verpflichtet ist. 

Nach langer und intensiver Debatte wurde der Vorschlag des Pfarrteams mit einfacher Mehrheit gewählt. Von den 6 Sonntagsmessen der Pfarrei wurden viele zeitlich verlegt und eine Messe komplett gestrichen. Statt 2 Hochämtern in der Moritzkirche und der Propstei, soll es ab dem 1. August nur noch ein Hochamt in der Propstei als Pfarrkirche geben.

Diese Änderung der Sonntagsordnung wurde am folgenden Sonntag in allen Gottesdiensten verkündet und entfachte vor allem in der Moritzkirche eine Welle der Empörung. Viele Briefe und eMails erreichten den Propst in den kommenden Tagen und Wochen und wurden teilweise auch breiter verteilt oder öffentlich verteilt.

Dies nahm auch kein Ende, nachdem der Propst eine gemeinsame Stellungnahme mit dem Vorsitzenden des PGR in den Gottesdiensten verlas.

Ich verstehe die Gemeinde, die zunächst erschrocken, enttäuscht und vielleicht auch verärgert über die Neuerung war. Viele der Gemeindemitglieder haben jedoch die klärenden Worte des Propstes gut aufgenommen und verstanden, dass es höchste Zeit ist, zu handeln und dem Beschluss zumindest eine Zeit der Bewährung einzuräumen.
Es ist schmerzlich, wenn eine Gemeinde Gottestzeiten und Orte verliert und das ist auch für die verantwortlichen Priester oft eine schwere Entscheidung. Es wird jedoch schwierig, wenn einzelne Gemeindemitglieder anfangen, in großem Stil gegen die Verantwortlichen der Pastoral und der Gremien zu hetzen und Unfriede in den Gemeinden säen, selbst aber keine konstruktiven Vorschläge bringen können. Statt der Einheit in der Pfarrei wird ein Separatismus der einzelnen Gemeinden geschaffen.

Die beiden großen Kirchen stehen etwa 150m voneinander entfernt und aus beiden bisherigen Gottesdienstzeiten wurde eine dazwischenliegende Zeit. Es ist also nicht so, dass der "neue" Gottesdienstort unerreichbar wäre, oder die Zeit eine absolut unmögliche.
Viel schwerwiegender empfinde ich solch separatistische Aktionen jedoch vom theologischen Blickpunkt her. Einer der Hauptakteure, der nun vor allem den Propst persönlich agiert, ist studierter Theologe und schreibt in seinen Blättern immer wieder scheinbar theologische Argumente. Dass diese völlig haltlos und wirklich unverschämt sind, scheint ihn dabei nicht zu stören.

Dabei gerät allerdings die Hauptsache immer mehr aus dem Blick. Wenn wir Christen sonntags zur Messe gehen, gehen wir dort nicht hin, um einen besonders tollen Priester am Altar zu erleben oder einen besonders schönen Gottesdienstraum zu betrachten. Dies sind sicherlich keine schlechten Dinge, aber tun sie doch nichts an der Qualität dessen, was da passiert. Der Priester handelt in persona Christi und sollte sich dies immer wieder bewusst machen und sich von daher ganz zurücknehmen und Christus wirklich handeln lassen. Tut er dies, dann ist es egal, ob der Raum eine kleine schäbige Barracke oder ein barocker Dom ist, denn das Wesentliche seines Handelns geschieht auf dem Altar, wo Brot und Wein zu Leib und Blut Christi werden. Das Sakrament der Hingabe Gottes zu empfangen, sich Gott "einzuverleiben" und seine Auferstehung zu feiern, das ist der Mittelpunkt der Heiligen Messe. 
Nicht umsonst nennen wir dieses Sakrament nicht nur Eucharistie, sondern auch Kommunion. In dem wir Christus empfangen sollen wir in die große Gemeinschaft, die Communio, der Kirche immer stärker hineinwachsen.
Wie aber soll das gehen, wenn sich jeder nur seines eigenen Klüngels bewusst ist und nicht über den eigenen Tellerrand schauen will? Wie kann die Kommunion eine Communio schaffen, wenn sich die Gläubigen in Hass und Niederträchtigkeit begegnen?

Es ist paradox, das Einheit stiftende Sakrament der Eucharistie zu empfangen und im nächsten Augenblick wider den Nächsten zu handeln. Es ist absurd, sich über Ökumene Gedanken zu machen, wenn wir nicht einmal innerhalb einer Pfarrei zwischen den Gemeinden auskommen. Es ist, meiner Meinung nach, eine Sünde, so mit der einen heiligen katholischen Kirche umzugehen!

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