Donnerstag, 3. Mai 2012

Praktische Theologie

Der Berliner Erzbischof Kardinal Woelki schreibt alle vier Wochen einen kleinen Artikel für die BZ-Kolumne "Was würde Jesus dazu sagen?" 

Den aktuellen Beitrag find ich sehr toll. Ein bisschen Theologie kann auch im Alltag nicht schaden, selbst wenn es im Straßenverkehr beim Radfahren ist ;)

Radfahren wird immer beliebter. Gerade in der Stadt. Ich habe schon in Köln oft das Fahrrad genommen, und jetzt, in Berlin, tue ich das auch.
Ich brauche kein Designer-Fahrrad, Hauptsache, es fährt.
Wenn ich die Soutane anziehen muss, weil das ein Termin erfordert, lasse ich es stehen, weil es ein Herrenrad ohne besonderen Kettenschutz ist. Ich will auch nicht den legendären Schauspieler Fernandel nachahmen, der als Don Camillo mit wehender Soutane auf seinem klapprigen Rad durch die Gassen kurvte und damit schneller war als der etwas behäbige kommunistische Bürgermeister Peppone. Doch für kurze Strecken genieße ich es, auf dem Fahrradweg an den stehenden Autos vorbeizuziehen, in dem Bewusstsein, mich zu bewegen, Wind und Wetter zu spüren, Zeit zu sparen und meinen Kreislauf in Schwung zu bringen.
Für das Fahrradfahren als besonders umwelt- und stadtverträgliche Fortbewegung wünsche ich mir eine Portion mehr Rücksicht aller Verkehrsteilnehmer aufeinander. Damit man sicher mit dem Rad unterwegs sein kann, muss es einerseits eine gute Infrastruktur geben. Andererseits muss jeder Verkehrsteilnehmer durch umsichtiges Verhalten seinen Beitrag leisten. Dies ist, neben den Fußgängern, besonders für Radfahrer wichtig. Ihnen fehlt die schützende "Knautschzone". Und ganz besonders betrifft das die Kinder.
Wir Erwachsenen wissen das und sollten danach handeln. Ich erinnere an einen alten Grundsatz der praktischen Ethik, an die goldene Regel. Sie ist in vielen religiösen und philosophischen Texten überliefert. Im Neuen Testament heißt sie: "Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihr ihnen." (Mt 7,12) Wenn ich vom anderen also erwarte, dass er mir nicht die Vorfahrt nimmt, nicht drängelt oder mir den Vogel zeigt, dann darf ich das auch meinerseits nicht tun. Respekt und Rücksichtnahme kommen überall gut an. Auch im Straßenverkehr.
Erzbischof Dr. Rainer Maria Woelki


Kommentare:

hertha! hat gesagt…

Ich würde ihn (W.) ja gerne mal Don-Camillo-mäßig mit dem Fahrrad rumfahren sehen! So einen Kettenschutz lässt sich doch bestimmt montieren!

Klemens hat gesagt…

Vor allem in der roten Soutane sähe das sicherlich gut aus, mit dem passenden Saturno dazu und am besten auch der wehenden Cappa :D