Montag, 2. Juli 2012

... den du, o Jungfrau, zu Elisabeth getragen hast

Mit diesem zweiten Geheimnis des freudenreichen Rosenkranzes gedenken wir des Festmysteriums des heutigen Tages. Romano Guardini schreibt dazu in seinem Büchlein über den Rosenkranz Unserer Lieben Frau:

Es ist die Zeit nach Botschaft des Engels, die für Maria so selig und bedrängt zugleich war. Keine Frau hat ein Glück in sich getragen wie sie. Aber auch keine war je in ein solches Schweigen eingeschlossen; denn wie soll sie Geschehene sagen, damit ein Anderer es ihr glauben könne?
Nicht einmal der, dem sich sich fürs Leben versprochen hat, wird sie verstehen - ja er am wenigsten, denn das Geschehene berührt ihn besonders tief. Hier beginnt der Ernst der Hingabe. Auf Ehre und Unehre, Leben und Tod ist sie in Gottes Hand. In dieser Not geht sie von Hause fort, über die Berge, zu Elisabeth, der mütterlichen Frau, mit der sie offenbar ein altes Vertrauen verbindet. Sie, so hofft die Bedrängte, wird verstehen, was sich zugetragen hat. Und sie tut es wirklich, denn der Geist, der das Geheimnis in Maria wirkt, erfüllt auch Elisabeth, so daß sie, noch bevor jene etwas gesagt hat, die Wahrheit erkennt: "Gesegnet Du unter den Frauen, und gesegnet die Frucht Deines Leibes!" (Lk 1,42)...
 Das ganze Geheimnis ist von der unsäglichen Innerlichkeit erfüllt, in welcher Maria das gottmenschliche Leben trägt, ihm das ihrige gibt und das seine empfängt.
 In jedem christlichen Dasein gibt es den heiligen Bereich des Werdens, worin Christus lebt, uns tiefer inne, als wir uns selbst sein können. Da wirkt und wächst es; ergreift unser Sein, zieht unsere Kräfte an sich, dringt in unser Denken und Wollen, durchwaltet unsere Regungen und Empfindungen, damit sich das Wort des Apostels erfülle: "Ich lebe, doch nicht ich, sondern Christus lebt in mir." (Gal 2,20)
Giottos Heimsuchung Mariä in der Scrovegni Kapelle


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