Freitag, 17. August 2012

Gott liebt göttlich!

"Einzig und allein die Liebe hat Gott bewogen, dass er beschloss, proposuit sibi Deus, sich uns also hinzugeben. [...] Doch wie die Liebe, so ist auch ihr Geschenk göttlich. Gott liebt göttlich." 
(aus: Sel. Columba Marmion: Christus das Leben der Seele, Kap.: Unsere Vorherbestimmung in Jesus Christus, 35)

Dieser göttlichen Liebe gedenken wir in jeder Feier der Heiligen Messe und besonders jeden Freitag zur Sterbestunde Jesu um 15 Uhr. Gott gibt sich uns ganz hin. In seiner ganzen Göttlichkeit wird er Mensch und stirbt, unsere Schuld auf sich zu nehmen, den Opfertod am Kreuz.

Heute vor einer Woche habe ich bei meinen Exerzitien in Heiligenkreuz die vier Passionsevangelien betrachtet. Vier mal das Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus zu betrachten war ganz schön heftig. 
Sicher, ich weiß um die Auferstehung, doch habe ich diese an jenem Freitag nicht mitbetrachtet. Die dritte Woche der Ignatianischen Exerzitien ist eben nur dem Leiden und Sterben Christi gewidmet.
Doch auch in der Heftigkeit dieser Betrachtungen an sich liegt Segen und kann neues entstehen. Abends nach der Komplet blieb ich noch eine Weile im Kreuzgang vor dem schönen Kreuz aus dem Stephansdom stehen und betrachtete so das Leiden bildlich.
Da wurde mir neu deutlich, mit viel Liebe uns Gott in seiner Passion beschenkt hat und wie klein doch jedes "Opfer" ist, dass wir Menschen ihm darbringen, wenn wir den Schwachen helfen und auf unsere eigenen Vorteile verzichten, wenn wir nicht nur an uns denken, uns stattdessen für andere hingeben, wenn wir von unserem Überfluss abgeben, um Bedürftigen zu helfen...
Und doch: Gott nimmt unser Opfer an. Was er aus Liebe zu uns tat, sich hinzugeben - und wir aus Liebe zu Ihm tun, etwas von uns herzugeben - das fügt er zusammen. So brauchen wir nicht verzweifeln, wenn wir sehen, wie klein unsere Hilfe beispielsweise in der Not der Welt ist: Was wir aus Liebe geben, das vollendet Gott in seiner Liebe, die, wie der stete Tropfen den Stein hölt, Großes und Wunderbares.

Daran musste ich auch denken, als ich gestern in der Ausstellung des Domschatzes diese wunderbare Pieta sah, die ich gestern schon gepostet habe. Die Darstellung erinnerte mich an die guten Freunde, denen ich mein Gebet versprochen habe, da sie oder ihre Lieben gerade leiden müssen oder es nicht leicht haben. Auch wenn mein Gebet nur klein ist, so gebe ich es ihnen doch aus Liebe, so wird Gott es annehmen und in seiner Liebe vollenden. 

Manchmal führt uns alles zum Leiden Christi hin
der sich uns aus Liebe gab.
Gerade dann sollten wir nicht abbiegen und
den nächstbesten Notausgang wählen.
Gerade dann scheint es gut zu, ein bisschen bei IHM zu verharren
und sich Seiner Liebe neu gewahr zu werden.

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