Samstag, 18. August 2012

Gotteskinder

Ein weiterer sehr schöner Gedanke meiner Exerzitien vom seligen Columba Marmion:

"Von Natur aus hat Gott nur einen Sohn, aus der Gnade eine unzählbare Schar von Kindern. Das ist die Gnade der übernatürlichen Gotteskindschaft." (a.a.O., 24)
Marmion führt diesen Gedanken in wunderbarer Weise aus. (Er schafft es im gesamten Text immer wieder trotz vieler systematisch-dogmatischer Gedanken einen geistlichen Text zu schaffen!) Gott ist in sich ja schon die Fülle allen Seins und in der Dreifaltigkeit die Beziehung schlechthin. In dieser Beziehungshaftigkeit des dreieinen Gottes ist das Geheimnis des innergöttlichen Lebens. und "die Fülle und Fruchtbarkeit dieses Lebens ist die Quelle der unermesslichen Seligkeit im Schoße der allerheiligsten Dreifaltigkeit". (S. 23). 
Gott gibt sich aber mit dieser Fülle in sich nicht zufrieden, er will sie auch nicht erweitern, sondern uns mit ihr bereichern. Mit ihr - der Fülle - dem göttlichen Leben. "Durch ein Übermaß von Liebe, das jener Fülle des Seins und der Güte entquillt, die Gott selbst ist, strömt dieses Leben aus dem Schoße Gottes weiter zu Wesen, die aus dem Nichts gezogen wurden, um sie über ihre eigene Natur zu erheben und ewig zu beseligen." (S. 24) Diese Wesen sind wir Menschen - uns will Gott seine Kinder nennen. Das tut er von Anfang der Menschheit an, doch entfernen wir uns immer wieder in unserer Sünde von Ihm. Die Geschichte dieser Sünde beginnt schon im ersten Menschen, doch wird sie durchbrochen in Christus und schon in der Vorsehung durch ihn geheiligt in seiner Mutter Maria. 
Durch Christus empfangen wir neu das göttliche Leben, werden wir neu zu Kindern dessen, der uns schuf und aus seiner Liebe heraus immer wieder neu annimmt.

Das klingt alles noch ziemlich theoretisch, doch wird es alltäglich, wenn wir zum Beispiel das Vater Unser beten. Christus hat uns dieses Gebet geschenkt und uns deutlich gemacht, Gott ist wirklich unser Vater. ER ist nicht irgendeiner der Götter, die nur durch irgendeinen Kult oder ein antikes Opfer befriedigt werden können. ER nimmt uns an, wie wir sind. Wie ein Vater, der sein Kinder liebend in die Arme nimmt, obwohl sie eine Dummheit angestellt haben. Das bedarf natürlich auch unserer Bereitschaft. Oft sind wir ja wirklich wie trotzige kleine Kinder: Wir wollen immer nur empfangen, selber aber nichts geben - wir bauen Unfung und laufen dann weinend weg, wenn wir uns erwischt wissen und ertappt wurden - wir wollen beim spielen immer im Mittelpunkt stehen und wenn dann ein neuer kommt, dann sind wir beleidigt. Aber wir haben wie die kleinen Kinder auch immer wieder die Chance, uns hinter unserem Vater zu verstecken, wenn ein größerer kommt, uns bei Ihm den Kummer von der Seele zu weinen, uns von Ihm tragen zu lassen, wenn wir selber nicht mehr weiterkönnen. 
Dazu bedarf es natürlich immer wieder der Umkehr zum Vater. Als kleine Kinder wollen wir oft schon erwachsen sein - aber dann merken wir ganz oft auch, dass es ohne die Eltern eben doch noch nicht geht und wir auf sie angewiesen sind. In der Welt stehen wir also oft vor Situationen, die wir alleine meistern wollen um zu zeigen, wie großartig wir doch sind, doch dann merken wir, ohne IHN geht es ja doch nicht. Genau dann dürfen wir nicht beleidigt von Dannen ziehen, sondern uns im Gebet, in der Zwiesprache, an IHN wenden und auf seine Hilfe vertrauen.


Ohne meine Eltern wäre ich wohl nie das geworden, was ich bin... 
Ohne Gott wäre ich nie geworden und würde überhaupt nichts werden! 


Dafür kann ich nur DANKE sagen! =)

Keine Kommentare: