Freitag, 7. September 2012

Es gibt viel zu tun

... wenn man als Restaurator arbeitet und so langsam lebe ich mich in meinen Praktikumsberuf ein. Heute ist nun schon die erste von vier Praktikumswochen vorbei und meine ersten Erfahrungen vom Anfang der Wochen wurden bestätigt: Mein Praktikum ist wirklich toll!

Jeder Stein mit einem kleinen grünen x
hat noch Reste farblicher Fassung
In den letzten Tagen waren meine Aufgaben wieder sehr vielseitig: Am Mittwoch waren wir noch  einmal in Quedlinburg an der Stiftskirche. Dort war Baubesprechung und wir haben nach unserem Putz geschaut. Anschließend habe ich auf einem verzerrungsfreien Foto unseres Giebels alle Steine markiert, auf denen noch Reste farbiger Fassung der Steine zu finden war. Das Resultat: auf nahezu allen alten Steinen (es gab ja noch ein paar später Umbauten) waren Fassungsreste zu finden - vom kleinen Klecks bis zu flächendeckenden Spuren. Also war die romanische Kirche sicherlich nicht so steinsichtig wie heute, sondern komplett farbig.

Gestern und heute gings dann ziemlich handwerklich zu: Für eine große Ahnentafel, die wir noch fertig gestalten werden, habe ich (mit einiger Hilfe!) einen Kasten als Untersatz gebaut: Dafür musste ich Kanthölzer und Bohlen zurecht sägen (das habe ich gestern gemacht... zuerst mit einer Handsäge... Abends hatte ich ganz schön Muskelkater!) und diese Teile dann heute zu einem Kasten zusammenzimmern. Das ist gar nicht mal soo leicht und ich habe als Theologe jetzt auch nicht viel Ahnung vom Bohren, Hobeln, Schrauben, Sägen etc...
Letztlich ist aber doch ein ganz netter Kasten von 3,10*0,50m aus schönem massivem Holz entstanden, auf den ich doch ganz ehrlich auch ein bisschen stolz bin ;)

Die alte Bibliothek im großen Blankenburger Schloss,
so solls mal etwa wieder aussehen...
Insgesamt muss ich sagen, ist es bis jetzt eine spannende Erfahrung für mich, mal richtig in den Berufsalltag reinzukommen. Es ist doch etwas anderes morgens zeitig (viel zu früh...) aufzustehen, zu duschen und sich dann auf den Weg zur Arbeit zu machen, als morgens zeitig mit meinen Eltern aufzustehen (noch viel zeitiger...), dann aber den Tag nur an einer Hausarbeit zu sitzen oder anderweitig zu studieren. Meinen Arbeitsweg, der von Halberstadt nach Blankenburg täglich mit dem Zug geht, nutze ich dann meist zum Brevier beten: auch das eine schöne Erfahrung: Während des Sonnenaufgangs durch den Harz zu rauschen und den Hymnus der Laudes zu bedenken...
Dazu kommt, dass viele Leute, mit denen ich die Tage zusammenarbeiten durfte, wirklich sehr nett sind und mir viel helfen, wenn es mal nicht so klappt, wie es soll. Die meisten gucken dann nicht schlecht, wenn ich irgendwann mal sage, dass ich ja total fachfremd bin und eigentlich Theologie studiere ;) Überaus wohltuend finde ich dabei vor allem, dass ich von "diesen einfachen Handwerkern" viel mehr lernen kann, als von so manch einem Professor - ich schätze das Handwerk sehr und finde es daher wirklich schlimm, wenn Akademiker schlecht über die Menschen reden, ohne die sie kein täglich Brot hätten, keinen Stuhl zum sitzen und kein Dach über dem Kopf. Von daher bin ich wirklich froh, dass meine hohe Meinung vom ehrlichen Handwerk im Praktikum so toll bestätigt wird. 

Alles in allem bin ich nach der ersten Woche arbeiten zwar auch ziemlich erschöpft, aber vor allem gespannt, auf die kommenden Wochen!

Blick vom Baugerüst über Quedlinburg
auf dem Dach der Stiftskirche

Fassungsreste



kleines Bilderrätsel ;)
was ist das? 

Und jetzt Donnerstag und Freitag: Bau des Kastens ;)

Kanthölzer zusägen und der "Bauplan"
kleiner Denkfehler...
das musste nochmal gesägt werden
aber doch: der Kasten nimmt Form an!


fertig =)
(fürs erste...)

Kommentare:

chiqitac hat gesagt…

Ochse? Kuh? Schaf? ???

Klemens hat gesagt…

schon ziemlich gut =)

es ist wahrscheinlich ein Stier... dazu wurden noch reste eines löwen und eines vogels gefunden... also waren dort wahrscheinlich die evangelisten dargestellt...