Montag, 22. Oktober 2012

Seliger Papst Johannes Paul II. - Habt keine Angst!

Heute ist der Gedenktag des im letzten Jahr seliggesprochenen Papstes Johannes Paul II. Die Lesehore zum heutigen Gedenktag enthält einen Ausschnitt der Ansprache, die Johannes Paul II. am Beginn seines Pontifikates, am 22. Oktober 1978, hielt.

Petrus ist nach Rom gekommen! Nur der Gehorsam gegenüber dem Auftrag des Herrn hat seine Schritte geführt und ihn bis zu dieser Stadt gelangen lassen, dem Herzen des Römischen Reiches. Vielleicht wäre er lieber dort geblieben, an den Ufern des Sees von Gennesaret, bei seinem Boot mit den Fischernetzen. Aber unter der Führung des Herrn und seinem Auftrag getreu ist er hierhergekommen!
Nach einer alten Überlieferung wollte Petrus während der Verfolgung des Nero die Stadt Rom verlassen. Da aber griff der Herr ein: er ging ihm entgegen. Petrus sprach ihn an und fragte: “Quo vadis, Domine?” — “Wohin gehst du, Herr?” und der Herr antwortete sofort: “Ich gehe nach Rom, um dort ein zweites Mal gekreuzigt zu werden.” Da kehrte Petrus nach Rom zurück und ist dort bis zu seiner Kreuzigung geblieben.
Unsere Zeit lädt uns dazu ein, drängt und verpflichtet uns, auf den Herrn zu schauen und uns in eine demütige und ehrfürchtige Betrachtung des Geheimnisses der höchsten Gewalt Jesu Christi selbst zu vertiefen.
Er, der aus der Jungfrau Maria geboren wurde, der Sohn des Zimmermanns — wie man glaubte —, der Sohn des lebendigen Gottes — wie Petrus bekannte —, ist gekommen, um uns alle zu einem “königlichen Priestertum” zu machen.
Das Zweite Vatikanische Konzil hat uns das Geheimnis dieser Herrschergewalt wiederum in Erinnerung gebracht und auch die Tatsache, dass die Sendung Christi als Priester, prophetischer Lehrer und König in der Kirche fortdauert. Alle, das ganze Volk Gottes, haben Anteil an dieser dreifachen Sendung. In der Vergangenheit hat man vielleicht dem Papst die Tiara, die dreifache Krone, aufs Haupt gesetzt, um durch diese symbolische Geste den Heilsplan Gottes für seine Kirche zum Ausdruck zu bringen, dass nämlich die ganze hierarchische Ordnung der Kirche Christi, die ganze in ihr ausgeübte “heilige Gewalt” nichts anderes ist als Dienst, ein Dienst, der nur das eine Ziel hat: dass das ganze Volk Gottes an dieser dreifachen Sendung Christi Anteil habe und immer unter der Herrschaft des Herrn bleibe, die ihre Ursprünge nicht in den Mächten dieser Welt, sondern im Geheimnis des Todes und der Auferstehung hat.
Die uneingeschränkte und doch milde und sanfte Herrschaft des Herrn ist die Antwort auf das Tiefste im Menschen, auf die höchsten Erwartungen seines Verstandes, seines Willens und Herzens. Sie spricht nicht die Sprache der Gewalt, sondern äußert sich in Liebe und Wahrheit.
Der neue Nachfolger Petri auf dem Bischofsstuhl in Rom betet heute innig, demütig und vertrauensvoll: “Christus! lass mich ganz Diener deiner alleinigen Herrschaft werden und sein! Diener deiner sanften Herrschaft! Diener deiner Herrschaft, die keinen Untergang kennt! Lass mich Diener sein! Mehr noch ein Diener deiner Diener!”
Brüder und Schwestern! Habt keine Angst, Christus aufzunehmen und seine Herrschergewalt anzuerkennen!
Helft dem Papst und allen, die Christus und mit der Herrschaft Christi dem Menschen und der ganzen Menschheit dienen wollen!
Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus! Öffnet die Grenzen der Staaten, die wirtschaftlichen und politischen Systeme, die weiten Bereiche der Kultur, der Zivilisation und des Fortschritts seiner rettenden Macht! Habt keine Angst! Christus weiß, “was im Innern des Menschen ist”. Er allein weiß es!
Heute weiß der Mensch oft nicht, was er in seinem Innern, in der Tiefe seiner Seele, seines Herzens trägt. Er ist deshalb oft im Ungewissen über den Sinn seines Lebens auf dieser Erde. Er ist vom Zweifel befallen, der dann in Verzweiflung umschlägt. Erlaubt also — ich bitte euch und flehe euch in Demut und Vertrauen an —, erlaubt Christus, zum Menschen zu sprechen! Nur er hat Worte des Lebens, ja, des ewigen Lebens!
In der Liebe zu Christus und der Gottesmutter Maria ging der selige Papst Johannes Paul II. seinen Lebens- und Leidesweg bis zum Ende und wurde so immer mehr Diener der Herrschaft Gottes - Diener der Diener. Dies machte vielen Menschen Mut, vor allem der Jugend, die dem seligen Papst so am Herzen lag. 
Ich denke, Papst Johannes Paul II. war der richtige Mann zur richtigen Zeit und seine Wahl war wirklich vom Heiligen Geist geleitet, der in der Kirche weht. Im Vertrauen auf die Macht Gottes - die Liebe und die Barmherzigkeit - rief er den Vielen zu: Habt keine Angst!
Er wusste um die vielen Ängste, die den Menschen Tag um Tag plagen, die die Diktaturen der Welt verbreiten, die in den ärmsten Regionen der Welt herrschen. Er wusste um die Ängste so vieler Menschen, da er selber schon so viel Leid hatte erleben müssen, so viel Schmerz ertragen hatte. Und dennoch ruft er ihnen allen zu: Habt keine Angst!
Im Vertrauen auf Christus, der all unsere Sorgen, Nöte und Ängste, unseren Schmerz kennt, sollen wir unser Herzen öffnen, die Türen und Grenzen. So verschließen wir uns nicht mehr dem Wort Gottes, dem Worte Christi, das ewiges Leben in sich birgt.

Habt keine Angst!

Seliger Papst Johannes Paul II. - Bitte für uns!

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