Mittwoch, 19. Dezember 2012

Das Problem des Advent?

Adventliche Stille ist in den letzten Tagen auf meinem Blog eingekehrt. Zum einen war in den letzten Tagen viel los, so dass es nur auf meinem Blog still war, bei mir aber ganz und gar nicht. Zum anderen war das Internet bei uns im Priesterseminar in den vergangenen Wochen so schlecht, dass mir mehrere Posts beim Hochladen flöten gegangen sind und ich dann die Lust verloren hatte, die geschriebenen Gedanken nocheinmal zusammenzubringen.

Nun sind wir schon in der letzten Woche vor Weihnachten und seit Montag erklingen in der Vesper wieder die wunderschönen, uralten O-Antiphonen zum Magnificat. Diese wunderschönen Texte bereiten uns auf das Kommen Christi in einzigartiger Weise vor und stellen Ihn uns Tag für Tag ein Stück weit besser vor.

Die Welt jedoch scheint bei einem Blick in die Medien so unadventlich wie eh und je. Nach dem Massaker in Newtown stellt sich die Frage, wie die Hinterbliebenen der Opfer noch Weihnachten feiern können? - Vorgestern war ich im Erfurter Stadtmuseum und sah dort eine Tür aus dem Gutenberg-Gymnasium, wo vor zehneinhalb Jahren ein furchtbarer Amoklauf 16 Opfer und den Täter selbst aus dem Leben riss. In der Tür sind mehrere Einschusslöcher und hinter ihr starben 2 Schüler. Auch wenn Newtown weit weg ist, wurde mir durch diese Tür klar, wie real das Leid und Unrecht überall in der Welt ist und wie nah und gegenwärtig solch eine Tat sein kann. - Ebenso so dramatisch ist die Lage im Nahen Osten, vor allem in Syrien, aber auch in Pakistan.
Auch im kleinen wird es immer wieder unadventlich: im Streit, in Hass, in fehlender Vergebung scheint die Menschwerdung Gottes und unsere Erlösung weit weg. Die Stimmung ist oft eher eisig denn fröhlich oder besinnlich. Stress holt uns an allen Ecken ein und oft übersehen wir dann, dass wir nicht die einzigen sind, denen es so geht.

Ich habe manchmal den Eindruck, dass das gewissermaßen ein Problem des Advent an sich ist: Irgendwie freut sich ja jeder auf Weihnachten und steckt doch mitten im Alltag. So recht gelegen kommt einem der Advent dabei wohl nie und oft sind wir gerade in den letzten Vorweihnachtstagen weiter weg vom Fest der Geburt Jesu Christi, als den Rest des ganzen Jahres über.
Oft versuchen wir ja Problemen möglichst weiträumig aus dem Weg zu gehen. Warum also nicht auch hier? Den Advent einfach abschaffen? Würde das nicht viel Stress und Krach ersparen?

Wenn ich mir die Weihnachtsgeschichten der Evangelien so anschaue, bekomme ich jedoch mehr und mehr den Eindruck, dass genau dieses Problem des Advent, scheinbar immer ungelegen zu sein und so gar nicht in den persönlichen Kalender passen zu wollen, ihn ausmacht: Wenn es etwas ungelegenes gibt, dann ist es wohl ein Bote Gottes, der einem jungen verlobten Mädchen sagt, dass sie schwanger wird, ohne dass diese mit ihrem Verlobten zusammenkommt. Wenn es etwas gibt, dass wohl kaum in den persönlichen Kalender Mariens gepasst hat, dann war das wohl eine Volkzählung während dieser ungelegenen Schwangerschaft...
Und dennoch nahm Maria die Botschaft Gottes an und lies es geschehen, machte sich mit Josef auf den Weg in dessen Heimat. Und nur deswegen können wir bis heute Weihnachten feiern, nur deshalb dürfen wir die Geburt unseres Erlösers in der Futterkrippe eines Stalles in Bethlehem feiern.

So werde ich mir jetzt auch einen Ruck geben, den Advent zu nutzen. Ihm Platz in meinem Kalender zu schaffen zur Vorbereitung auf Weihnachten. In dieser Vorbereitung sollen aber auch die Opfer von Gewallt und Hass nicht vergessen sein, deren Hinterbliebene, für die es in diesem Jahr wohl keine frohe Bescherung geben wird. In diese Vorbereitung soll auch die Versöhnung in den kleinen Streitigkeiten und dem alltäglichen Krach hineingehören.
So kann aus dem Stress und Lärm der unadventlichen Vorweihnachtszeit vielleicht doch ein ruhiger und geborgener Moment an der Krippe entstehen. Wenigstens eine Nacht des Friedens...







1 Kommentar:

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Der Herr steht vor der Tür und klopft an ... versuchen wir, unser Ohr allzeit so gespitzt zu halten, daß wir dieses Klopfen nicht überhören - eine gute Adventszeit!