Sonntag, 30. Dezember 2012

Die Weihnachtstage

In den letzten Tagen kam ich mal wieder nicht so recht zum Schreiben. Diesmal lag es aber nicht am vielen Stress, sondern vielmehr an den vielen schönen Dingen, die die Tage um Weihnachten immer zu etwas besonderem machen können. In der Liturgie kommen wir von einem Fest zum anderen. Dabei ist nicht immer besonders weihnachtlich und festlich. Der Erzmärtyrer Stephanus und das Gedenken der unschuldigen Kinder sind immer wieder Punkte zum Innehalten in der Freude über die Geburt Christi. Von Anfang an war ER das Zeichen, dem widersprochen wurde und viele sind durch ihn zu Fall gekommen - viele jedoch wurden auch aufgerichtet und das ist das Licht der Weihnacht, das bis heute scheint. Heute ist zudem das Fest der Heiligen Familie. In einer Zeit, da die Familie nur noch eine unter vielen verschiedenen gesellschaftlich anerkannten Lebensformen ist, in der sie von vielen gerade jungen Menschen wie ein abschnürendes Korsett gesehen wird, richtet die Kirche den Blick auf diese geheiligte Gemeinschaft, die die Keimzelle jeglicher Gesellschaft ist. In ihrer Heiligkeit, ihrer Unauflösligkeit und Geborgenheit steht die Familie heute mehr denn je für Werte, die nicht überholt sind sondern prophetischen Charakter in einer oft so unsteten und unwirklichen Welt sind.

Aber nicht nur der liturgische Kalender dieser Tage ist sehr eng an Ereignissen und Emotionen. Auch die Ereignisse in der Welt lassen uns immer wieder aufhorchen: Während es den einen nicht genug sein kann und der Blick immer nur auf die höheren Einkünfte anderer geht, stirbt in Indien eine junge Frau nach ihrer grausamen Vergewaltigung und ein ganzes Land wacht auf und will sich von einer unmenschlichen Diskriminierung der Frauen und Kinder befreien. 
Ich hoffe sehr, dass es den Menschen in Indien gelingt, die traurige Gunst der Stunde zu nutzen und wirklich etwas zu bewegen! 
Auch hoffe ich, dass sich in den "rein instrumentell" verstockten Herzen mancher europäischer Politiker etwas tut und sich der Blick einmal auf die lenkt, die vielleicht nicht so viel Verantwortung tragen wie sie, jedoch täglich in mühsamer Schwerstarbeit ihren Lohn erwirtschaften, auf die, die sich selbst in Lebensgefahr begeben, um anderen Menschen zu helfen, auf diejenigen, welche die breite Masse der Gesellschaft darstellen.

Weihnachten heißt, dass Gott Mensch wird im Elend der Krippe, in einem ärmlichen Viehstall, dass die Hirten vom Felde die ersten Zeugen dieses wunderbaren Geschehens sind. Weihnachten heißt auch, dass viele Menschen nicht so schön feiern können, weil es ihnen am notwendigsten fehlt. Weihnachten bedeutet, dass Menschen für ihre Überzeugungen eintreten und dafür sterben. Weihnachten zeigt uns, dass die Unschuldigen oft den Mächtigen zum Opfer fallen.
Diese Tage wollen uns in all ihrer Schönheit, ihrem Glanz und der Freude über die Geburt Christi wachrütteln für das Unrecht in der Welt, für die Kleinen und Gebrechlichen, für die Opfer einer Gesellschaft, die den Blick nur für den dickeren Geldbeutel anderer hat.

All dem äußeren Schein von Frieden und Gerechtigkeit setzt die Geburt Christi den inneren Frieden und wahre Gerechtigkeit entgegen. Damals wie heute ist eine wirkliche Alternative zur Krippe zu gehen und im Kind den wirklichen Erlöser zu finden.

Raffaels Heilige Familie, um das heutige Fest doch noch etwas mehr zu bedenken!

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