Montag, 28. Januar 2013

Seht doch, wie gut es ist und wie schön...

...wenn Brüder beieinander wohnen in Eintracht! (Ps 133)

Während meiner Freijahrs-Zeit in Wien habe ich diesen Psalmvers jeden Mittwochabend während der Komplet gesungen und er ist mir während dieser Zeit sehr ans Herz gewachsen. In den Evangelien und den Briefen des Neuen Testaments lesen wir immer wieder vom gemeinschaftlichen Leben und was es dazu benötigt und natürlich sind viele der Ordensregeln und -konstitutionen reich an wunderbaren Ratschlägen, über die Kostbarkeit einer communitären Lebensform. 

Dass das gemeinschaftliche Leben dennoch oft schwer fällt und man ab und an aneinander gerät ist zwar nicht schön, gehört jedoch zur unumgänglichen Realität. Selbst für die besten Freunde gibt es manchmal Situationen, in denen sie sich streiten und in denen es etwas rauer zugeht. Auch eine Ehe ohne Streit gibt es wohl nicht... manchmal sind es einzelne Kleinigkeiten, die einen aufregen, manchmal sammeln sich diese Kleinigkeiten zu einem ganzen Sack an, dessen Nähte dann mit einem mal reißen. In anderen Situationen sind es aber auch größere Unstimmigkeiten, die uns in den Streit geraten lassen.

Auch im Priesterseminar leben wir in einer (wenn auch kleinen) Gemeinschaft und ab und an kommt es zwischen einzelnen von uns zu Reibereien. Ich nehme mich da selbst nicht aus und weiß, dass ich manchmal ganz schön direkt und auch dickköpfig sein kann...

Am gerade vergangenen Wochenende hatten wir "Correctio Fraterna". Schon zum dritten mal gab es diese Form der brüderlichen Auseinandersetzung mit den Stärken und Schwächen bei uns und so ist es nun wohl zu einer guten Tradition geworden. Von Samstag Nachmittag bis gestern Mittag bot sich uns so ein neutraler Rahmen, allen Mitbrüdern in Einzelgesprächen unsere Sicht auf sie mitzuteilen. In kurzen Gesprächen war so Platz für Kritik und Lob, ohne, dass sich der "Empfänger" der Correctio dafür sofort hätte rechtfertigen oder entschuldigen müssen.
Ich persönlich finde es wichtig, Lob und Kritik ziemlich direkt an Ort und Stelle dem Betreffenden mitzuteilen. Aber auch diese Form der Correctio Fraterna, die wir am Wochenende geübt haben, halte ich für nicht unwichtig. Es bot sich so auch die Möglichkeit, einmal ein längerfristiges Resumé zu ziehen und dieses fiel bei allen Mitbrüdern sehr positiv aus. 
Auch wenn wir ein kleiner Haufen sind, so empfinde ich unser Seminar derzeit doch als eine sehr gute Gemeinschaft und das Klima im Haus als sehr ausgewogen und harmonisch. 

Ich schätze mich wirklich glücklich, mit meinen Mitbrüdern gemeinsam auf dem Weg zum Priestertum zu sein und Höhen und Tiefen zu erleben. 
Wir alle halten uns an gewisse Regeln, auch wenn wir nicht nach einer bestimmten Regel leben. Wir alle vertragen viel Spaß und können auch in tieferen Gesprächen gut und einfühlsam miteinander reden.  Jeder hat seine Schwächen, aber vor allem seine Stärken - und um eben diese Stärken zu bekräftigen, war die Correctio am Wochenende eine sehr gute Übung, der gegenseitigen, aufrichtigen Kritik und Unterstützung. 
Unser Spiritual wieß uns so auch ganz zutreffend in seiner kurzen Einführung darauf hin, die Correctio als einen Dienst aneinander zu verstehen.

Auch wenn es mal Streit gibt, lernen wir so immer mehr bei- und miteinander in Eintracht zu leben!

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