Sonntag, 13. Januar 2013

Taufe des Herrn

In der Taufe Jesu kreuzen sich ein vertikales und ein horizontales Geschehen. Das vertikale: Während Jesus in den Wasserabgrund hinabsteigt - Wassertiefe ist vom Alten Bund her vor allem Symbol des des Chaotischen, und die Sünde, mit der sich Jesus durch diese "Taufe zur Umkehr" solidarisiert, ist ja das zweite, vom freien Menschen erzeugte Chaos - spaltet sich die höchste Höhe, und die Stimme des Vaters ertönt. "Du", der du deinen Abstieg bis zur untersten Ebene beginnst, "bist mein geliebter Sohn". Geliebt seit je, geliebt, weil den Beschluß des dreieinigen Gottes erfüllend, der den Sohn zum sich opfernden Gottesknecht macht und das Licht in die Finsternis trägt. Den Raum von zuoberst bis zuunterst durchmißt der herabfahrende Geist, Geist der messianischen Salbung Jesu , Geist der sieben Heben, Geist der Sendung Geist, der den Willen des Vaters dem Sohn zuträgt: über ihm als dem Gehorsamen schwebend und zugleich sein Herz durchwohnend. Die Vertikale zwischen Himmel und Chaos zeigt auf Kreuz, Karsamstag, Ostern und Himmelfahrt. Jesus wird sie lebendig und tot und wieder lebendig durchmessen.
Aber sein Eintritt in die Weltgeschichte fordert auch die Horizontale. Johannes der Täufer vollendet die alte Bundesgeschichte Gottes mit der Menschheit; er kündet das ungeheure Neue nicht nur an, sondern hat eine eine Handlung daran zu vollstrecken, vor der er zurückbebt: "Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?" Jesus antwortet: "Laß es zu. Es ziemt sich für uns" - er faßt den Alten und Neuen Bund in diesem "uns" ineins - , "alle Gerechtigkeit aufzurichten": Gottes immerwährende Bundestreue möge sich in der vollen Bereitschaft des Menschen, der für Israel einsteht, durchsetzen. "Da ließ er", Johannes, "ihn zu". Er läßt der Gerechtigkeit ihren Lauf, richtet sie zulassend mit auf. Der Glaube und die Sehnsucht Israels wirken mit an der Heraufkunft des Neuen und Ewigen Bundes. Wenn Jesus nun "wachsen" und Johannes "abnehmen" wird, so wird dieser, den Jesus als "brennende Leuchte" preist, in ihn hinein schwinden. Nichts, was in der Vergangenheit für das Reich Gottes fruchtbar war, ist verloren; es wird verwandelt auf den Gang in die Zukunft mitgenommen. "Wasser" wird "Geist und Feuer", "Wasser" wird "Wein".
Die Geschichte des Heils aber ist das Kreuz beider Linien.

(aus: Hans Urs von Balthasar: "Kommt uns seht". Meditationen des Lebens Jesu)

Die Taufe Jesu im Jordan (Giotto)

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