Donnerstag, 28. März 2013

Gründonnerstag

Mit dem heutigen Gründonnerstag geht die österliche Fastenzeit, die Karwoche und quasi das gesamte Kirchenjahr auf ihren absoluten Höhepunkt zu. Liturgisch beginnt heute der längste Tag des Jahres. Eine liturgische Feier, die sich auf drei Tage ausdehnt und dabei noch den Karsamstag als liturgiefreien Tag umschließt. Das Triduum Sacrum oder Paschale. 
Jedes Jahr aufs neue freue ich mich auf die Feier dieses Dreitags (ja, kein Freitag, ein Dreitag ;), da er an symbolischer Dichte kaum zu überbieten ist und mich emotional immer wieder auch sehr mitreißt. 
Heute am Gründonnerstag feiern die Priester wieder im feierlichen weißen Gewand und nach dem Kyrie folgt nicht gleich das Tagesgebet mit dem Festgeheimnis, sondern wir singen zunächst das Gloria, nachdem die Orgel und die Glocken verstummen bis in die Feier der Osternacht hinein. 

Eine weitere sehr dichte Besonderheit des Gründonnerstags ist die Fußwaschung. Zwar feiern wir  mit
Gerrit Dou - The Silver Ewer (1663)
dem Gründonnerstag die Einsetzung der Eucharistie, dennoch steht im Mittelpunkt des Evangeliums an diesem Tag diese Liebestat Jesu. Seinem Vorbild sollen wir folgen und auch einander die Füße waschen und so tun es die Priester heute auch in den Gemeinden. 
In diesem Jahr hat sich unser neuer Heiliger Vater Franziskus dafür entschieden, diese heilige Feier im in einem Jugendgefängnis in Rom zu begehen und dort zwölf Jugendlichen verschiedener Herkunft und Religion die Füße zu waschen. Der Nachfolger Petri wäscht zwölf jungen Menschen die Füße, wir im Normalfall kaum noch anschauen würden, egal aus welchem Grund sie im Gefängnis sitzen. Er versteht es damit, die Symbolhandlung Jesu auch in der heutigen Zeit stark auszudeuten und sich für die Einzusetzen, zu denen wohl niemand mehr hält. 

Wenn Jesus seinen Jüngern die Füße wäscht weißt er eben auf dieses hin. Oft achten wir nur auf die Oberflächlichkeiten in der Welt und bevorzugen die Dinge, die uns sauber und rein scheinen. Die Jünger schienen auch oberflächlich rein zu sein. Doch waren es nicht alle auch in ihrem Herzen. Jesus wäscht den Jüngern die Füße. Wo niemand hinschaut, setzt er an. Es mag den ein oder anderen Jünger beschämt haben, diesen Dienst des Meisters über sich ergehen zu lassen. Andere wiederum wird es aufgeregt haben. Sie alle waren sicherlich bis ins tiefste ihres Herzens berührt von dieser Liebestat Jesu.

Als ich gehört habe, dass Papst Franziskus heute zwölf Jugendlichen die Füße wäscht, die im Gefängnis sitzen, habe auch ich mich zuerst etwas aufgeregt. Liturgisch finde ich es komisch, die eine Feier drei heiligen Tage so zu zerreißen. Aber im Herzen bin ich dennoch sehr davon angetan, dass es unser Heiliger Vater so versteht, die wunden Punkte zu berühren, sie aber wie Jesus auch zu heilend und heiligend zu berühren. Vielleicht berührt es den ein oder anderen Jugendlichen ja ebenfalls so und er überdenkt, was er getan hat und richtet sein Leben auf den aus, nach dessen Vorbild der Papst heute an gehandelt hat.

Nach der Fußwaschung kommt heute ein weiterer wichtiger Punkt in der Feier der Heiligen Messe. Die Einsetzung der Eucharistie. "Am Abend, bevor er für unser Heil und das Heil aller Menschen das Leiden auf sich nahm - D A S   I S T   H E U T E  -, nahm er das Brot in seine heilig und ehrwürdigen Hände..." so betet es der Priester heute im römischen Kanon. Auch die anderen Hochgebete verweisen auf diesen besonderen Tag, an dem Jesus das erste mal das Opfer des alten Bundes auf sich bezog. Er der Hohepriester der zugleich opfert und Opfer ist und der seither in jeder einzelnen Messe selbst das vollzog, was er damals eingesetzt hat. 
Den Abschluss der heutigen Messe bildet nicht wie gewohnt der Schlusssegen. Stattdessen wird das Allerheiligste aus dem Tabernakel an einen anderen geeigneten Ort übertragen und dort zur Anbetung ausgesetzt. 
Jan Davidsz de Heem - Eucharistie im Früchtekranz
Mit Jesus können wir so die bangen Stunden am Ölberg durchleben. Mit ihm bereiten wir uns so auf den Karfreitag vor. Das Lamm wird gebunden. Jesus wird gefangen genommen. Das Leiden des Herrn beginnt.
Francisco de Zurbarán - Agnus Dei

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