Freitag, 29. März 2013

Karfreitag - Das Leiden

Juan de Valdés Leal - Ecce Homo
Der Karfreitag steht ganz in der Vergegenwärtigung des Leidens und Sterbens Christi. Damit ist dieser Tag für die heutige Zeit ein sehr unbequemer. Es liegt uns heute mehr, alles Traurige und allen Schmerz schnell auszublenden und zu verdrängen. Wir wollen wohl lieber feiern - jeden Tag - auch heute. Und so verstehen es viele Menschen nicht mehr, warum heute eben nicht gefeiert werden darf. Es ist ihnen schlicht egal, dass Christus heute für uns, für sie, zur Erlösung der Menschen sein Leben hingibt, sich ans Kreuz schlagen lässt und stirbt. Der Karfreitag scheint eben so gar nicht in unsere Zeit zu passen.
Durch Haft und Gericht wird der Gottesknecht dahingerafft, doch wen kümmert es? So fragt uns Jesaja in der ersten Lesung heute. Wen kümmert sein Geschick? Statt mit ihm mitzuleiden rief die Menge: Ans Kreuz mit ihm, ans Kreuz mit ihm!

Ich denke, gerade am Karfreitag müssen auch wir uns heute immer wieder anfragen lassen, was wir tun. In den Situationen des Leidens anderer. Wenn wir sehen, dass anderen Schmerzen widerfahren.  Rufen auch wir "Ans Kreuz mit ihm"? Kümmert es uns ebenso wenig wie die Umstehenden beim Gottesknecht? Oder werden wir unseres christlichen Auftrages gerecht? Helfen wir, wo Hilfe nötig ist. Nicht um der Anerkennung wegen, sondern aus der Liebe zum Nächsten?
Vergangene Woche habe ich eine solche Situation erlebt. Ich habe einige Freunde bei einer Chor-Aufnahme im Josefsheim. Von unserer Gemeinde aus haben wir dort auch ein Haus altersgerechten Wohnens. Direkt nebenan ist ein privates Altersheim. Ein älterer Herr aus dem Josefsheim stolperte, als er aus der Ausfahrt heraustreten wollte und stürzte auf die Straße. Sofort waren einige unserer Jugendlichen da und kümmerten sich um ihn. Einer der Jugendlichen eilte ins benachbarte Altersheim und wollte dort weitere Hilfe holen. Da der gestürzte Herr jedoch nicht dort sondern eben in unserem altersgerechten Haus wohnt, winkte das Personal bloß ab und rief nicht einmal einen Krankenwagen. Der ältere Herr hatte sich den Kopf an mehreren Stellen aufgeschlagen, blutete stark und zitterte am ganzen Körper. Dennoch halfen diese Leute nicht. 
Gott Dank kam ein Mann vom DRK mit seinem privaten Auto vorbei und sah, was geschehen war. Er half sofort, verband die Wunden am Kopf und setzte den alten Mann in eine Rettungsdecke gehüllt an die Schwelle seines Kofferraums. Erst als der Krankenwagen kam, und sich die Rettungskräfte um den Mann kümmerten, fuhr auch der DRK-Mann weiter. 
Ich selbst kam erst hinzu, als der alte Herr schon versorgt war und wartete mit den anderen dann auf den Rettungswagen. Zum einen hat mich natürlich der Anblick des alten Herren aus unserer Gemeinde sehr betroffen. Ich kenne ihn schon viele Jahre. Zum anderen aber war ich schockiert über das Verhalten des Altenpflegepersonals.
Das alles hat mich sehr sehr nachdenklich gemacht.

Warum helfen wir Menschen, wenn sie Not sind? Und warum helfen wir manchmal nicht, obwohl wir das Leiden direkt vor uns sehen? Helfen wir nur, wenn wir dafür einen Lohn empfangen oder helfen wir aus Nächstenliebe, so wie unsere Jugendlichen und der Mann vom DRK, der wahrscheinlich gerade nach einer anstrengenden Arbeitsschicht auf dem Heimweg war.

Der Karfreitag erinnert uns daran, das Leiden und den Schmerz nicht einfach weg zu schieben. Wir gehen heute den Kreuzweg mit Christus und sind bei ihm, wenn er verurteilt, verhöhnt und gekreuzigt wird. 
In der äußersten Not und dem Schmerz sagen wir "Seht, der Mensch!" Nicht jedoch, um ihn darin auch noch an den Pranger zu stellen, sondern um mit ihm zu leiden, ihm ein Stück weit das Kreuz abzunehmen. Selbst in dem, der bis aufs Letzte entmenschlicht scheint, sollen wir den Menschen sehen.

Juan de Valdés Leal - das Kreuz tragen



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