Dienstag, 21. Mai 2013

Schwarze Paste

Bischof Thilo von Trotha in der
"Genealogie" der Merseburger
Bischöfe
In den letzten Jahren war ich oft im Merseburger Dom unterwegs und habe mich auch viel mit der Geschichte des alten Bistums befasst. Einer meiner "Lieblinge" der Merseburger Kirchengeschichte ist dabei  schon lange Bischof Thilo von Trotha. Er war der letzte vorreformatorische Oberhirte des Bistums und als solcher durchaus selbstbewusst. In seiner Amtszeit von 1466 bis 1514 wusste er es, das Bistum und dessen Kathedrale großartig auszustatten. 
Neben dem Dom ließ er unter anderem das heute Schloss als seine bischöfliche Residenz errichten und war unter den deutschen Fürsten weithin angesehen und als Berater gefragt. Er weihte unter anderem Johannes Tetzel zum Diakon und Priester, konsekrierte die Merseburger Stadtkirche und die berühmte Leipziger Thomaskirche. In der Leipziger Universität erließ er als Rektor und Konservator wichtige Reformen und sorgte in den Klöstern seiner Diözese (auch gegen den Widerstand der Mönche und Nonnen) für Ordnung. Schon 1494 erhielt er aus Altersgründen einen Weihbischof, den er jedoch überlebte. Sein zweiter Weihbischof, Adolf von Anhalt, wurde schließlich 1514 sein Nachfolger.
Das Wappen Bf. v. Trothas in einem
Gestühl im Chor des Domes
Kurzum... Thilo von Trotha war in vielerlei Hinsicht ein großartiger Bischof, ein Mäzen, ein strenger und "gutkatholischer" Reformer. Was aber hat das mit dem Titel "Schwarze Paste" zu tun?
Als Kunstliebhaber und selbstbewusster Bischof des kleinen reichsunmittelbaren Bistums lies sich sich Thilo natürlich auch eine angemessene Grablege gestalten. Im rechten Querhausarm wurde eine Art Genealogie der Merseburger Bischöfe seit der Bistumsgründung auf der Rückwand des Chorgestühls angelegt. Wie in St. Paul vor den Mauern die Päpste in ihren Medaillons sind hier die Merseburger Oberhirten in Fresken zu sehen. Dazu ließ Bischof Thilo von Trotha bei Peter Vischer d. Älteren, dem berühmten Nürnberger Bildhauer und Rotschmied seine Grabtumba und ein Epitaph anfertigen. Beide Arbeiten sind von großer Güte und Schätze des Merseburger Doms.
In den Kunstführern konnte man bisher lesen, dass das Epitaph ursprünglich vergoldet war, diese Fassung jedoch über die 500 Jahre verloren gegangen ist. Das war durchaus glaubhaft, wenn man die wunderbare Arbeit gesehen hat. Schwarz korrodiert ist es in die Wand des Seitenschiffs eingefasst.
Eine Kasel aus der Zeit Thilo v. Trothas
im Merseburger Kapitelshaus
Nun jedoch fand man heraus, dass das Gold nicht verloren gegangen ist. Im 19. Jahrhundert passte man das Epitaph Thilo von Trothas lediglich an die restlichen Epitaphe der nachfolgenden Bischöfe an. Sowohl Bischof Adolf von Anhalt als auch Bischof Sigismund von Lindenau ließen sich ähnliche Epitaphe anfertigen, die jedoch wirklich über die Zeit ihre goldene Fassung fast vollständig verloren. Wohl um das Gold nicht abnehmen zu müssen und es dadurch zu möglicherweise zu zerstören strich man eine schwarze Paste auf die Epitaphe. Somit verschwanden die letzten Goldreste und die Werke sahen aus, als währen sie ganz normal über die Zeit korrodiert. 
Das Epitaph Thilos strahlte jedoch noch ganz in seinem alten goldenen Glanz. Die Feuervergoldung des Nürnberger Rotschmieds Vischer hatte die fünf Jahrhunderte unversehrt überstanden. Dennoch trug man auch hier die schwarze matte Paste auf. 
Nun hat haben Restauratoren angefangen, die alten Gedenktafeln von der Paste zu befreien. Als ich am Sonntag mit einem befreundeten Kaplan den Dom mal wieder besuchte, konnte ich meinen Augen kaum trauen. Noch beeindruckender als zuvor kommt die grandiose und filigrane Arbeit Peter Vischers nun zum Vorschein und der anbetende Bischof erstrahlt in dem Glanze, der seinem Werk und Wirken für das Bistum gebührt. 


Hier nun im Vergleich... Das Epitaph vor einem Jahr und am vergangenen Sonntag
 

Wirklich wunderbar ist die Feuervergoldung erhalten.
Nun kommen die filigranen Details der Arbeit
noch viel schöner zum Ausdruck.
Ich freue mich schon darauf, wenn dann auch der
Gnadenstuhl und das Wappen wieder in altem Glanz
erstrahlen.

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