Montag, 24. Juni 2013

Kardinal Schönborn schreibt heute (und ich finde es sehr bewegend und poste es deswegen hier gleich weiter!):


Es gibt im Leben Dinge, die wir ein für allemal entscheiden, und es gibt Dinge, die wir täglich neu angehen müssen. Von beidem ist heute im Evangelium die Rede. Es gibt so etwas wie Lebensentscheidungen, die den ganzen Lebensweg bestimmen. Dazu gehört sehr oft die Berufswahl. Sie prägt meist den ganzen Lebenslauf, auch wenn heute eine viel größere Mobilität besteht als früher, was das Leben nicht einfacher macht. Mehrmaliger Berufswechsel kann auch sehr belastend sein. Die wichtigste Entscheidung ist bei den Meisten die für eine Partnerschaft, für die Ehe und die Familiengründung. Und wenn auch die Beziehungen heute öfter in die Brüche gehen als früher, so ist es doch umso eindrucksvoller, Ehejubiläen feiern zu dürfen. Lebenslang haltende Entscheidungen sind nicht so selten!

Heuer sind es fünfzig Jahre, dass ich meine Lebenswahl getroffen habe. 1963 trat ich (mit 18 Jahren!) ins Kloster ein, in den Dominikanerorden. Aber gerade dieses "Jubiläum" macht mir bewusst, dass solche Lebensentscheidungen dann Tag für Tag durchgehalten und immer wieder erneuert werden müssen. Sie sind nicht automatisch garantiert, und wer das Glück hat, dass seine Lebenswahl auch wirklich hält, weiß sehr genau – wenn er ehrlich ist – dass das gar nicht selbstverständlich ist. Da gibt es Krisen, Durststrecken, dunkle Phasen, wo alles zu zerbrechen droht, wo nichts mehr sicher scheint, und wenn wir durch solche Krisen durchgekommen sind, dann wissen wir sehr wohl, dass das nur mit Gottes Hilfe möglich war. Und wenn es zu Brüchen, zum Scheitern kam, dann dürfen wir immer noch vertrauen, dass Gottes Barmherzigkeit uns nicht fallen lässt.

Auch im Glaubensleben gibt es beides: Die Lebensentscheidung und den täglich neu zu bestehenden Kampf, das "tägliche Kreuz". Jesus fragt seine Jünger: "Wer sagt ihr, dass ich sei?" Die Antwort des Petrus ist so etwas wie eine lebensbestimmende Entscheidung. Er bekennt: "Du bist der Christus, der Messias Gottes". Das ist mehr als ein Lippenbekenntnis. Es ist ein Schritt des Vertrauens, des Glaubens, der für das ganze weitere Leben des Petrus entscheidend wurde. Ja, sich für den Glauben an Gott, an Jesus Christus zu entscheiden, auch das ist eine Lebenswahl. "Sei nicht ungläubig, sondern gläubig!", sagte Jesus zum zweifelnden Apostel Thomas.

Nicht alle, die an Gott, an Christus glauben, können einen bestimmten Moment in ihrem Leben festmachen, an dem sie sich für den Glauben entschieden haben. Aber eines haben alle Glaubenden gemeinsam: Sie müssen sich täglich neu im Glauben bewähren, wie in den anderen Lebensentscheidungen, Partnerschaft, Ehe, Beruf, usw. Und dieses täglich neue JA zum Glauben, wie zur Ehe, zum Beruf, kann auch ein Kreuz sein.

Täglich sein Kreuz auf sich nehmen und Christus nachfolgen: Das ist die eigentliche Bewährung unserer Lebensentscheidungen. Es ist daher durchaus sinnvoll, dass es auch im öffentlichen Raum das Kreuzzeichen gibt. Es sagt uns: Sei treu in deiner Lebenswahl, auch wenn sie dein tägliches Kreuz ist!


(Quelle: hier!)

Lieber Herr Kardinal, vergelt's Gott für das bewegende Zeugnis und seinen reichen Segen für Ihre weiteren Jahre!

Keine Kommentare: